Ärzte Zeitung, 07.05.2007

Dunkle Schokolade kann den Blutdruck senken

Ursache ist eine hohe Konzentration von Flavonoiden

KÖLN (ars). Wer auf Süßes nicht verzichten will, dem sollte man wenigstens zu dunkler Schokolade raten. Dann kann er sein schlechtes Gewissen damit beruhigen, dass der Dickmacher einer Studie zufolge immerhin den Blutdruck senkt.

Bitterschokolade enthält mindestens 60 Prozent Kakao. Er weitet die Gefäße. Foto:ill

Für einen klinisch relevanten Effekt allerdings müsste man täglich eine ganze Tafel verspeisen. Hinweise dafür haben Dr. Dirk Taubert und seine Kollegen aus Köln gefunden. In einer Metaanalyse werteten sie fünf Studien zu Kakao aus (Arch Intern Med 167, 2007, 626). Die 173 Teilnehmer, ein Drittel mit Hypertonie, aßen im Median zwei Wochen lang täglich 100 g dunkle Schokolade.

Verglichen mit der Kontrollgruppe sank der systolische Blutdruck bei ihnen durchschnittlich um 4,7 mmHg, der diastolische um 2,8 mmHg. Wegen des hohen Zucker- und Fettgehalts dunkler Schokolade könne man zwar niemandem den Verzehr größerer Mengen empfehlen, so die Autoren. Praktikabel sei jedoch, sie für süße Gerichte statt anderer kalorienreicher Zutaten zu verwenden.

Dass Bitterschokolade den Blutdruck senkt, ist offenbar bedingt durch ihre hohe Konzentration an Flavonoiden: Eine Tafel enthält 500 mg. Diese Substanzen fördern Studien zufolge die Bildung von Stickstoffmonoxid, das wiederum die Arterien erweitert.

Obwohl schwarzer und grüner Tee ebenfalls reich an solchen Pflanzenstoffen ist, senkt er den Blutdruck nicht, wie die Wissenschaftler in einer weiteren Meta-Analyse festgestellt haben. Die Diskrepanz erklären sie damit, dass Tee-Flavonoide schwächer wirken. Die 343 Teilnehmer der fünf Tee-Studien tranken vier Wochen lang täglich etwa fünf Tassen. So nahmen sie ähnlich viel Flavonoide zu sich wie die Schoko-Esser. Trotzdem ließ sich kein Effekt beobachten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »