Ärzte Zeitung, 08.10.2009

Hypertonie-Experten stört der Tonfall des IQWiG

Hochdruckliga hält an Kritik am IQWiG-Abschlussbericht zu Antihypertensiva fest

BERLIN (gvg). Seitens der Deutschen Hochdruckliga (DHL) hagelt es weiter Kritik am IQWiG-Abschlussbericht zu Antihypertensiva. Dabei geht es nicht nur um Inhalte, sondern auch um den Gesamteindruck des Berichts und um den Tonfall der Auseinandersetzung.

Hypertonie-Experten stört der Tonfall des IQWiG

Was ist die beste Medikation für Hypertoniker? - Darüber gibt es Streit.

Foto: dpa

Der Vorsitzende der DHL, Professor Joachim Hoyer von der Universität Marburg, betonte bei einem Pressegespräch erneut, dass ein erheblicher Teil der Hypertoniepatienten Begleiterkrankungen wie Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit, Niereninsuffizienz oder Diabetes mellitus habe. "Weil das so ist, darf man nicht suggerieren, dass Diuretika für einen Großteil der Patienten mit arterieller Hypertonie die Therapie der ersten Wahl seien", so Hoyer. Das führe in dieser Pauschalität Ärzte wie Patienten gleichermaßen in die Irre.

Neben dieser Kritik an dem (auch durch die Fragestellung bedingten) Gesamttenor des Berichts stört die Experten von der DHL auch die konkrete Schlussfolgerung, wonach Diuretika in der Monotherapie der arteriellen Hypertonie bei Patienten ohne Begleiterkrankungen Mittel der ersten Wahl seien. Diese Aussage beruhe wesentlich auf der ALLHAT-Studie, die durch ihre schiere Größe in der Statistik so viel Gewicht gehabt habe, dass kleinere Studien mit gegenteiligen Resultaten bei der Gesamtbewertung kaum ins Gewicht gefallen seien.

"Das Problem an der ALLHAT-Studie ist, dass sie nicht einfach auf Europa übertragen werden kann", so Hoyer. Zum einen wurde in ALLHAT mit Chlortalidon ein Diuretikum verwendet, das zumindest in Deutschland kaum zum Einsatz kommt. Zum anderen war ein erheblicher Teil der ALLHAT-Patienten afroamerikanischer Herkunft. Bei diesen Menschen aber sind ACE-Hemmer aus genetischen Gründen schlechter wirksam als bei Menschen kaukasischer Abstammung.

Abgesehen von der inhaltlichen Kontroverse hat der Konflikt zwischen DHL und IQWiG auch eine andere Dimension. Die Fachgesellschaften hatten ihre Kritik an dem Vorbericht in ausführlichen Stellungnahmen erläutert. Obwohl das mit sehr viel ehrenamtlicher Arbeit verbunden gewesen sei, finde sich von den Anregungen der Experten im Abschlussbericht so gut wie gar nichts wieder, so Hoyer.

Der DHL-Chef kritisierte auch, dass das IQWiG Studien wie ONTARGET, die erst während der Entstehungsphase des Berichts publiziert wurden, einfach ignoriert hat. Dies sei bei der guten personellen Ausstattung des Instituts nicht akzeptabel.

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