Samstag, 25. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 31.08.2012

Blutdruck

Auf und Ab bringt das Hirn in Gefahr

Ein stark schwankender Blutdruck kann auf ein deutlich erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall hinweisen - zumindest bei Frauen nach der Menopause, wie Forscher jetzt herausgefunden haben.

Ein Auf und Ab beim Blutdruck bringt das Gehirn in Gefahr

Schwankt er stark? Vorsicht in der Postmenopause.

© Getty Images

NEW YORK (eo). In einer Auswertung von Daten der Women's Health Initiative (WHI) wurde jetzt ein Zusammenhang zwischen schwankenden Blutdruckwerten und Apoplexie-Risiko unabhängig vom Alter der postmenopausalen Teilnehmerinnen dokumentiert (Hypertension. 2012; 60: 625).

Auch kardiovaskuläre Risikofaktoren, eine bereits bestehende KHK sowie die Einnahme von Blutdrucksenkern oder Hormonen hatten das Ergebnis nicht beeinflusst.

Die Assoziation war bei den Frauen mit den niedrigsten mittleren Blutdruckwerten (systolisch unter 120 mmHg) am stärksten. Dies ist für die Forscher um Dr. Daichi Shimbo von der Columbia University in New York besonders bemerkenswert.

Für ihre Analyse hatten die Autoren Daten von rund 58.000 Frauen im Alter zwischen 50 und 79 Jahren herangezogen.

Bei diesen hatte man jährlich Blutdruck gemessen und die jeweiligen Standardabweichungen vom Mittelwert sowie die Veränderung einer Trendlinie durch die Messpunkte (Regressionsgerade) ermittelt.

Unklare Mechanismen

Die gemessenen Abweichungen im systolischen Blutdruck (jeweils in mmHg) unterteilten die Wissenschaftler in vier Quartilen: unter 6; 6 bis 8,9; 9 bis 12,9 und über 13.

Im durchschnittlich fünfjährigen Beobachtungszeitraum kam es zu 997 Schlaganfällen. Das größte Risiko hatten die Frauen mit den stärksten Schwankungen: Hier gab es 375 Insulte, in der Gruppe mit den geringsten Schwankungen nur 150.

Auch wenn man mögliche Blutdruckanstiege im Laufe der Jahre herausrechnete, blieb der Zusammenhang deutlich: So betrug das relative Risiko eines Schlaganfalls (jeweils im Vergleich zur niedrigsten Quartile) 1,39 für Quartile 2, 1,52 für Quartile 3 und 1,72 für Quartile 4.

Ein steilerer Anstieg der Trendlinie über die Jahre war ebenfalls mit einem deutlich höheren Schlaganfallrisiko verbunden.

Für eine Einschätzung des Schlaganfallrisikos im Praxisalltag könne die Erfassung von Blutdruckschwankungen zwischen mehreren Arztbesuchen durchaus relevant sein, schreiben Shimbo und Kollegen, auch wenn derzeit unklar ist, über welche Pathomechanismen beides zusammenhängt.

Zur Diskussion stehen Faktoren wie Arteriensteifigkeit, subklinische Atherosklerose, erhöhter Gefäßwandstress und endotheliale Dysfunktion.

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