Ärzte Zeitung online, 21.08.2013

Leitartikel zu Vitamin D

Als Blutdrucksenker eine Enttäuschung

Für viele erscheint Vitamin D als neuer Heilsbringer, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Eine Studie mit älteren Hypertonikern zeigt jetzt aber: Die zusätzliche Gabe von Vitamin D hat keinen Effekt auf den erhöhten Blutdruck.

Von Peter Overbeck

Vitamin D - als Blutdrucksenker eine Enttäuschung

Bei älteren Hypertonikern hat das Sonnenvitamin keinen blutdrucksenkenden Effekt.

© diego cervo / fotolia.com

Die Geschichte der Versuche, in klinischen Studien die vorbeugende Wirkung einer Supplementierung von Vitaminen oder Spurenelementen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachzuweisen, ist eine einzige Kette von Misserfolgen.

Enttäuschender Erkenntnisgewinn

Erst kürzlich hat eine koreanische Arbeitsgruppe (Korean Meta-Analysis Study Group) in der bislang umfangreichsten Metaanalyse den enttäuschenden Erkenntnisgewinn aus 50 randomisierten kontrollierten Studien mit ingesamt rund 295.000 Teilnehmer extrahiert (BMJ 2013; 346: f10).

Trotz gewaltigen Forschungsaufwands bleibt am Ende nur die nüchterne Feststellung, dass die vielen Studien den Beweis für eine Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen durch Einnahme von Vitaminen oder Antioxidanzien in Pillenform schuldig geblieben sind.

Ein Fünkchen Hoffnung

Doch bleibt für Optimisten ein Fünkchen Hoffnung. Zwar sind die Vitamine A, C, E oder B (Folsäure) als Kandidaten mehr oder weniger aus dem Rennen - nicht aber Vitamin D.

Dieses Vitamin, das bekanntlich als Prohormon den Kalziumspiegel und Knochenaufbau reguliert, ist erst seit relativ kurzer Zeit auch in den Fokus der kardiovaskulären Forschung gerückt.

Das Ablaufmuster gleicht dabei dem bei zuvor untersuchten Vitaminen. Stimuliert wurde das Interesse auch im Falle von Vitamin D durch epidemiologische Studien, die einen möglichen Zusammenhang mit kardiovaskulären Erkrankungen nahelegten.

In diesen Studien ist wiederholt beobachtet worden, dass niedrige 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel mit einem höheren Risiko für Erkrankungen wie Hypertonie und KHK assoziiert waren. Metaanalyen bestätigten diese Beziehung.

Assoziationen sagen aber nichts über ursächliche Zusammenhänge aus...

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[21.08.2013, 21:42:45]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
@ Jean-Peter Lange
Na ja, Ihr Kommentar war nicht gerade eine intellektuelle Herausforderung für Sie: Einfach Markieren, Kopieren und Einfügen - fertig! Aber wo bleibt, bitteschön, Ihre Übersetzung und, fast hätte ich's vergessen, Ihre persönliche Meinung zu den beiden letzten Absätzen?
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler zum Beitrag »
[21.08.2013, 18:00:08]
Jean-Peter Lange 
Meta-Analysen könnten irren (assoziativ)...
Diese beiden Absätze am Ende sollte man in der Originalstudie nicht überlesen.....und: "Heilsbringer" brauchen wir nicht, per se ein falscher Ansatz. Es scheinen bei "Otto Normal" mit konsequenter Ernährung wohl keine Vitamin-, Mikronährstoff- und Spurenelemente/Aminosäuremängel aufzutreten, oder ?

Weaknesses of the current meta-analysis

There are several limitations in the current study. Firstly, we investigated the association only between synthetic vitamin and antioxidant supplements and cardiovascular disease. Thus, our findings could not be directly applied to fruit and vegetables rich in natural vitamins or antioxidants or natural vitamins derived or extracted from plants. Secondly, we were unable to evaluate whether vitamin and antioxidant supplementation would be beneficial against cardiovascular disease for populations who are deficient in vitamins or antioxidants at baseline. Further randomised controlled trials in those populations are needed. Thirdly, we used the Jadad scale to assess the methodological quality of the trials, which has been criticised because it is subject to the generic problems of scales, has a strong emphasis on reporting rather than conduct, and does not cover concealment of allocation, one of the important biases in randomised controlled trials.81 As an alternative, the Cochrane Risk of Bias (RoB) tool has been used to evaluate internal validity of randomised controlled trials since 2008. Hartling et al, however, reported that the inter-rater agreement varied substantially across domains in the Cochrane tool, and it took considerably longer to complete than the Jadad scale.82 Further validated tools for the assessment of quality are needed. Finally, we assessed the methodological quality of the trials based only on the data presented in each article. Thus, we might not have assessed the actual performance or biases of each trial.


Meaning of the findings

In summary, we found no evidence to support the use of vitamin or antioxidant supplements in the prevention of cardiovascular disease. Also, recent meta-analyses have shown that vitamin or antioxidant supplements are associated with increased mortality and have no preventive effect on cancer or were even associated with increases in some types of cancer. Most countries permit the pharmaceutical or food industry to sell these supplements under the name of functional food or medical food, and many people take vitamin or antioxidant supplements in the belief that they improve their health. Based on recent meta-analyses of randomised controlled trials, including the current study, however, governments and regulating agencies for food and drugs should consider vitamin and antioxidant supplements as medicinal products and strictly evaluate their efficacy and safety before marketing. zum Beitrag »
[21.08.2013, 14:31:48]
Rudolf Hege 
Immer das Gleiche...
Warum erwartet man von einer einzelnen Substanz immer "Wunder"? Vitamine haben ihren Nutzen - richtig eingesetzt. Aber dieser Nutzen ist immer ein relativer. Die beste Vitaminversorgung macht niemand unsterblich, ja, gleicht nicht mal einen ungesunden Lebensstil aus.

So wird es auch bei Vitamin D ausgehen. Erfahrungen zeigen, es bringt etwas (!) z.B. unterstützend bei Infektanfälligkeit, bei Autoimmunreaktionen, bei Diabetes - aber ob es nun die "Lösung" für Hypertonie oder KHK sein kann, ist doch fraglich. zum Beitrag »

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