Ärzte Zeitung online, 17.09.2013

Bluthochdruck

Oft wird nicht optimal behandelt

Schießt der Blutdruck trotz dreier Antihypertensiva noch übers Ziel hinaus, dann besteht nicht unbedingt eine Therapieresistenz. Jeder zweite scheinbar therapierefraktäre Hochdruckpatient war in einer US-Studie nur nicht optimal behandelt.

Von Beate Schumacher

Oft wird nicht optimal behandelt

Blutdruck nicht im Griff? Häufig liegt es an nicht ausreichend dosierten Medikamenten.

© Alexander Raths / fotolia.com

CHARLESTON. Eine arterielle Hypertonie gilt dann als therapierefraktär, wenn eine antihypertensive Dreifachtherapie unter Einschluss eines Diuretikums in optimaler Dosierung den Blutdruck nicht unter 140/90 mmHg senkt.

In den USA hat der Anteil von - echt oder scheinbar - therapieresistenten Hochdruckpatienten in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen.

Analyse deutet auf vielfach auf Pseudoresistenz

In der jetzt veröffentlichten Studie hatten von 468.877 Hypertonikern, die zwischen 2007 und 2010 in Klinikambulanzen des Outpatient Quality Improvement Network behandelt wurden, 147.635 (31,5 Prozent) Drücke über 140/90 mmHg.

Von diesen Patienten wiederum erhielten 44.684 (30,3 Prozent) mindestens drei Blutdrucksenker und wurden daher als augenscheinlich therapieresistent eingestuft.

In einem Großteil dieser Fälle könnte jedoch eine Pseudoresistenz bestanden haben, wie die genauere Analyse der Verordnungsdaten ergab (Hypertension 2013, online 5. August).

"Nur der Hälfte der Patienten mit einer therapierefraktär erscheinenden Hypertonie war eine optimale Therapie verordnet worden", konstatieren die Studienautoren um Dr. Brent M. Egan von der University of South Carolina in Charleston.

Als optimal definieren sie eine Therapie mit drei Blutdrucksenkern einschließlich eines Diuretikums in mindestens 50 Prozent der maximal empfohlenen oder zugelassenen Dosis.

Bei 18.792 Patienten (42,1 Prozent) war die Medikation niedriger dosiert, bei 3703 Patienten (8,3 Prozent) beinhaltete sie kein Diuretikum.

Die Chancen, dass eine therapierefraktäre Hypertonie empfehlungsgemäß behandelt wurde, erhöhten sich, wenn die Patienten auch noch an Diabetes oder einer KHK litten.

Höheres Alter, Rauchen und "therapeutische Trägheit" - die fehlende Anpassung der Medikation - minderten dagegen die Aussicht auf eine geeignete Therapie.

Häufig fehlt ein Diuretikum

Wie häufig mangelnde Therapieadhärenz und/oder Weißkittelhypertonie eine Therapieresistenz vorspiegeln, konnte im Rahmen der Studie nicht beurteilt werden.

Egan ist jedoch überzeugt: "Bei vielen Patienten mit scheinbar therapierefraktärer Hypertonie ließe sich der Blutdruck normalisieren, wenn optimale Dosierungen und ein Diuretikum gegeben würden."

Die Autoren des begleitenden Editorials, Professor Bernard Waeber und Dr. François Feihl von der Universität Lausanne, gehen ebenfalls davon aus, dass sich ein Hochdruck bei den allermeisten Patienten unter Kontrolle bringen lässt.

Im Fall einer therapieresistent erscheinenden Hypertonie empfehlen sie folgendes schrittweises Vorgehen:

› Ausschluss einer sekundären Ursache,

› Ausschluss einer Pseudoresistenz durch 24-Stunden-Messung oder Selbstmessung des Blutdrucks und Besprechen der Therapietreue,

› Verordnung einer optimalen antihypertensiven Therapie, bevorzugt bestehend aus einem Diuretikum, einem Hemmstoff des Renin-Angiotensin-Systems und einem Kalziumkanalblocker in ausreichend hoher Dosierung.

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