Ärzte Zeitung online, 11.05.2015

Experten warnen

Bluthochdruck wird bei Kindern unterschätzt

Rund 650.000 Kinder und Jugendliche leiden an Bluthochdruck, zeigen aktuelle Studien. Grund genug, auch bei der Vorsorge einen stärkeren Fokus auf Kinder mit Risikofaktoren zu legen, fordern Fachleute.

BERLIN. Deutschlandweit sind rund 650.000 Kinder und Jugendliche einer Studie aus dem Jahr 2011 zufolge von arterieller Hypertension betroffen.

"Es muss aufgrund dieser Zahlen davon ausgegangen werden, dass die Diagnose Bluthochdruck im Kindes- und Jugendalter in ihrer Häufigkeit unterschätzt wurde", betonte Professor Renate Oberhoffer, stellvertretende Sprecherin der Kommission Hypertonie bei Kindern und Jugendlichen in der Deutschen Hochdruckliga (DHL), in Berlin.

Übergewichtige Kinder im Fokus

Häufig seien Kopfschmerzen und Konzentrationsmangel Anzeichen für einen Bluthochdruck. Gefährdet sind Oberhoffer zufolge insbesondere übergewichtige und adipöse Kinder.

Von ihnen litt rund ein Viertel an Bluthochdruck. "Wir müssen daher auch bei den Vorsorgeuntersuchungen einen Fokus auf diese Erkrankung legen", forderte die Kinder- und Jugendmedizinerin.

Bislang unterschätzt ist Professor Martin Hausberg zufolge auch die milde Hypertonie. Ohne zeitnahes Eingreifen und Nachkontrolle führe auch ein leicht erhöhter Blutdruck zu einer erhöhten Sterblichkeit, unterstrich der DHL Vorstandsvorsitzende.

Den Vorteil einer Therapie belegten zwei Studien, die erst jüngst erschienen sind. Diese bestätigten das, was in Leitlinien lange gefordert werde. Sinnvoll bei milden Formen der Hypertonie sind der DHL zufolge zunächst einmal Lebensstiländerungen wie Abbau von Übergewicht und mehr Bewegung.

Erst dann sollten Medikamente folgen. Wichtig ist nach Ansicht von DHL-Schirmherrin Dr. Marianne Koch eine ausführliche Aufklärung des Patienten über die Hypertonie.

"Wir leben aber leider in einer Zeit, in der die sprechende Medizin nicht wirklich honoriert und praktisch abgeschafft wird", kritisierte die Internistin. (mam)

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