Ärzte Zeitung, 12.10.2015

Nächtlicher Bluthochdruck

Auch Diabetes-Risiko schießt in die Höhe

Zu hoher Blutdruck in der Nacht kann ein Vorbote von Diabetes sein, zeigt eine aktuelle Untersuchung. Wird das Problem rechtzeitig erkannt, ergeben sich völlig neue Präventionsmöglichkeiten.

Von Christine Starostzik

Auch Diabetes-Risiko schießt in die Höhe

Hochdruck im Schlaf? In der Nacht sollte der Blutdruck einen Wert von120/70 mmHg nicht überschreiten.

© Tom Le Goff/Getty images

VIGO. In der Nacht sollte der systolische Blutdruck um mindestens 10 Prozent absinken und einen Wert von 120/70 mmHg nicht überschreiten, so die Vorgaben der Deutschen Hochdruckliga (DHL). Bei einer Reihe von Patienten, unter anderem bei Diabetikern, findet der nächtliche Blutdruckabfall jedoch nicht statt, was das kardiovaskuläre Risiko dieser Patienten erhöht.

Zudem kann der Hochdruck während des Schlafs aber auch Vorzeichen der Stoffwechselerkrankung sein, lange bevor die Diabetesdiagnose gestellt wird. Dies legt jetzt eine prospektive Untersuchung von Ramón Hermida und Kollegen von der Universität Vigo in Spanien mit 2656 Männern und Frauen nahe (Diabetologia 2015, online 23. September).

Die Studienteilnehmer waren durchschnittlich 50,6 Jahre alt und zu Beginn Normotoniker oder unbehandelte beziehungsweise therapieresistente Hypertoniker ohne Diabetes. Der ambulante Blutdruck wurde mittels 48-Stunden-Langzeitmessung (ABDM) je nach Ausgangswert jährlich oder häufiger ermittelt.

Um Wach- und Schlafzeiten exakt zu überwachen, trugen die Probanden während der 48 Stunden der Blutdruckmessung einen Aktigraph am Handgelenk, der ihre Aktivitäten im Minutentakt aufzeichnete.

Die Diabetes-Neuerkrankung war definiert als: Nüchternglukose ≥ 7,0 mmol/l bei mindestens zwei Untersuchungen im Abstand von mindestens drei Monaten, ohne Diabetes oder eine antidiabetische Therapie in der Vergangenheit.

190 Personen entwickelten Diabetes

Eines der Hauptziele der MAPEC(Monitorización Ambulatoria para Predicción de Eventos Cardiovasculares)-Studie war auch, den Effekt der Einnahmezeit blutdrucksenkender Therapien auf kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetesentstehung und Nierengesundheit zu beobachten.

Während einer mittleren Beobachtungszeit von 5,9 Jahren entwickelten 190 Personen einen Typ-2-Diabetes. Nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren wie Alter, Taillenumfang, Nüchternglukose, chronische Nierenerkrankungen und Hypertonietherapie erschienen die nächtlichen Blutdruckwerte, die mittels 48-Stunden-ABDM gemessen wurden, als zuverlässigster signifikanter Prädiktor für eine Diabetes-Neuerkrankung.

Pro Anstieg um eine Standardabweichung (SD) erhöhte sich das relative Erkrankungsrisiko im Untersuchungszeitraum um 28 Prozent. Außerdem zeigte sich bei hypertensiven Patienten, die mindestens ein Blutdruck senkendes Medikament vor dem Schlafengehen einnahmen, ein signifikant niedrigeres Diabetesrisiko als bei denjenigen, die ihre Antihypertensiva über den Tag verteilten (HR 0,43).

Neues Präventionsziel in Sicht

Keinen Vorhersagewert hatten dagegen Klinik-Blutdruckmessungen am Tag, ambulante Tageswerte sowie der 48-Stunden-Mittelwert, nach Korrektur um die nächtlichen Werte. Die Analysen der Blutdruckänderungen während des Follow-up ergaben, dass ein Absinken des nächtlichen systolischen Mittelwerts um 1 SD mit einer Senkung des Diabetesrisikos um jeweils 30 Prozent einherging.

Diese Verbesserungen erwiesen sich als unabhängig von Veränderungen beim klinischen Blutdruck, bei den Tageswerten oder dem 48-h-Mittelwert. Zudem waren die Vorteile sowohl für die Gruppe mit zu Studienbeginn nächtlich normalem als auch erhöhtem Blutdruck signifikant, selbst dann, wenn der systolische Blutdruck im Schlaf unter 100 mmHg absank.

Häufig geht der Erstdiagnose eines Typ-2-Diabetes eine Veränderung des nächtlichen Blutdrucks voraus, so Hermida und Kollegen. Würden durch Langzeitmessung erhöhte Werte in der Nacht festgestellt, könne deren Senkung als Präventionsmaßnahme für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes gesehen werden.

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