Ärzte Zeitung, 02.02.2016

Blutdruckwerte

Hochdruckliga rät zu Besonnenheit

Nach neuen Studienergebnissen diskutieren Experten derzeit, welche Zielwerte für Hypertoniker gelten sollten.

HEIDELBERG. Neue Erkenntnisse aus zwei großen Studien zu Bluthochdruck verunsichern Patienten und auch Ärzte. Denn die SPRINT-Studie und eine Studie der Universität Oxford legen eine Blutdrucksenkung auf einen oberen Zielwert von 120 mmHg nahe.

Das gilt aber nur für bestimmte Patienten. Die Studienergebnisse dürfen nicht einfach verallgemeinert werden, betont die Deutsche Hochdruckliga e. V. (DHL) in einer Mitteilung. Die Fachgesellschaft rät dazu, besonnen zu reagieren, anstatt die Behandlung kurzfristig zu ändern. Ärzte sollten ihre Patienten individuell betrachten, um sich gemeinsam mit jedem einzelnen für die geeignete Therapie zu entscheiden.

Die Studie der Universität Oxford (George Insitute for Global Health und der University of Oxford) bezog die Daten von mehr als 600.000 Patienten aus über 120 Studien zu Bluthochdruck ein. Ziel war es zu verstehen, inwieweit ein niedrigerer Blutdruck Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugt.

Das Ergebnis legt nahe, dass eine Senkung des systolischen Wertes auf unter 130 mmHg ratsam sei: Unabhängig vom Ausgangswert gab es 27 Prozent weniger Schlaganfälle und 13 Prozent weniger Sterbefälle, wenn Patienten ihren Blutdruck dauerhaft um 10 mmHg senken.

Die Autoren fordern daher eine blutdrucksenkende Therapie für alle Patienten mit kardiovaskulärem Risiko - also einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, auch weit unter die bislang gültige Grenze von 140 mmHg

Zuletzt sprachen auch die Ergebnisse der SPRINT-Studie (Systolic Blood Pressure Intervention Trial) für einen Zielwert von 120 mmHg. Hier suchten die Forscher nach dem geeigneten Zielblutdruck für Bluthochdruckpatienten mit einem hohen kardiovaskulären Gesamtrisiko.

Der Vergleich zweier Patientengruppen - mit Blutdrucksenkung auf unter 120 mmHg beziehungsweise 134,6 mmHg - ergab etwas bisher Ungekanntes: In der Gruppe mit dem medikamentös intensiv abgesenkten Blutdruck starben 25 Prozent weniger Patienten an Schlaganfall oder Herzinfarkt. (eb)

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[13.03.2016, 12:38:54]
Mona Ziegler 
Und wer hat den größten Nutzen davon?

Die Pharmaindustrie...

Für mich ist nicht einzusehen, warum ein zb. 70ig-jähriger Patient, den Blutdruck eines 20ig-jährigen haben soll.

Zudem: der größte und wichtigste Faktor ist immer noch die LEBENSFÜHRUNG - und genau DA setze ich mit meiner Therapie an.

Stichwort: der mündige Patient. Nicht der, der verantwortungslos mit sich, seinem Körper und seinem Leben umgeht und brav und ewig Tabletten schluckt, um einzelne Leute nur immer reicher und reicher zu machen.



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[02.02.2016, 07:53:56]
Margarita Moerth 
Und was jetzt?
Man rät zur Besonnenheit, doch 120 sistolische Obergrenze sei anzustreben, und eigentlich ...

Liebe Leute, dass bei jeder Therapie der einzelne Patient im Vordergrund stehen und in seiner Komplexität gesehen werden muss, dazu bedarf es wohl keiner Megaanalysen von Megastudien, bei denen nicht viel mehr herauskommt, als das, was jeder gute Hausarzt ohnehin bereits weiß.

Den wichtigste Schlussfolgerung hat der Autor dieses Artikels gleich an den Beginn gestellt: "Neue Erkenntnisse aus zwei großen Studien zu Bluthochdruck verunsichern Patienten und auch Ärzte."
Genau so ist es. zum Beitrag »

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