Ärzte Zeitung, 10.02.2016

Tabletten-Erinnerung per SMS

Wenn das Handy dreimal klingelt

Vielen Hypertonikern fällt es schwer, sich an die Vorgaben für Medikamenteneinnahmen oder Lebensstiländerungen zu halten. Eine Idee ist deshalb, sie mit Textnachrichten zu erinnern.

Von Veronika Schlimpert

Wenn das Handy dreimal klingelt

Mit regelmäßigen automatisierten SMS-Nachrichten klappt die Medikamenteneinnahme deutlich besser.

© Innovated Captures / fotolia.com

KAPSTADT. Die Therapietreue von Hypertonikern lässt sich womöglich mithilfe regelmäßiger automatisierter SMS-Nachrichten unterstützen. Das legen Ergebnisse einer randomisierten, einfach verblindeten Studie (StAR) mit 1372 Bluthochdruckpatienten aus einer Klinik in Cape Town, Südafrika, nahe (Circulation 2016; 133: 592).

Britische Wissenschaftler verglichen hierbei drei Versorgungsstrategien. Eine Gruppe aus 457 Patienten bekam ein Jahr lang jede Woche automatisierte SMS-Nachrichten auf ihr Handy verschickt (zum Beispiel: "Wenn Sie Ihre Medikamente immer zur selben Zeit einnehmen, können Sie sich besser an die Einnahme erinnern").

Dieselben vorher festgelegten Nachrichten erhielten auch 458 Teilnehmer der Interaktions-Gruppe; ihnen war es aber möglich, auf diese SMS zu antworten, sodass sie etwa einen Arzttermin verschieben oder absagen konnten. Die restlichen Teilnehmer erhielten eine herkömmliche Betreuung durch Pflegepersonal und Ärzte.

Etwas bessere Blutdruckkontrolle

Nach einem Jahr ließ sich bei allen Hypertonikern eine Blutdrucksenkung beobachten.

Der Blutdruck der Teilnehmer, die SMS-Nachrichten mit beziehungsweise ohne Interaktion erhielten, sank aber um durchschnittlich -2,2 beziehungsweise - 1,6 mmHg stärker als der bei Probanden mit herkömmlicher Betreuung.

Auch die Wahrscheinlichkeit, den Zielblutdruck von unter 140/90 mmHg zu erreichen, war für Teilnehmer beider Programme tendenziell höher, jedoch nicht signifikant (adjustierte Odds Ratio: 1,4; p=0,04). Die Medikamenteneinnahme fiel in beiden Interventionsgruppen signifikant besser aus: 62,8 beziehungsweise 59,7 Prozent der Teilnehmer nahmen an mehr als 80 Prozent aller Tage ihre Blutdrucksenker ein (PDC, proportion of days covered), bei Patienten mit normaler Betreuung war das nur bei 49,4 Prozent der Fall.

Kostengünstiger als Gespräche

Die Studie würde somit Hinweise darauf liefern, dass eine regelmäßige Intervention via SMS-Textnachrichten die Adhärenz unterstützen und auch einen geringfügig positiven Einfluss auf die Blutdruckkontrolle haben könne, schlussfolgern die Studienautoren um Dr. Kirsten Bobrow von der Universität Oxford. Die Option einer Interaktion konnte die Wirksamkeit des Programmes nicht weiter steigern.

Der Effekt auf den systolischen Blutdruck sei zwar geringer ausgefallen als erwartet, schreiben Bobrow und Kollegen. Doch es ist bekannt, dass bereits eine geringfügige Blutdrucksenkung mit einem geringeren Risiko für vorzeitigen Tod assoziiert ist.

Darüber hinaus sei das Verschicken automatisierter Textnachrichten vermutlich kostengünstiger zu realisieren als eine Face-to-Face-Intervention oder Schulungsprogramme für Ärzte, mit denen sich Studien zufolge vergleichbare Effekte erzielen lassen.

Breite Implementierung fraglich

Einschränkend ist zu erwähnen, dass in dieser Studie der Blutdruck lediglich beim Klinikbesuch, also nicht anhand ambulanter Blutdrucklangzeitmessungen erfasst, und die Adhärenz allein auf Basis von Verordnungsdaten der Klinik bestimmt wurde.

Somit sind weitere Studien erforderlich, auch um die optimale Frequenz an SMS-Nachrichten, die zusätzlichen Kosten, wenn Nachrichten angepassten werden müssen, sowie das Potenzial einer breiten Implementierung dieser Programme unter verschiedensten Bedingungen evaluieren zu können.

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