Ärzte Zeitung, 22.01.2008

Auge verrät zu hohe Blutfettwerte

Gelbweißer Ring der Hornhaut bei Patienten unter 50 Jahren verdächtig / Zeichen für Hyperlipoproteinämie Typ II

NEU-ISENBURG (ner). Ein weißlicher Ring der Hornhaut bei Patienten im Rentenalter ist nichts beunruhigendes: Er hat allenfalls kosmetische Bedeutung. Anders ist es jedoch, wenn Menschen unter 50  Jahren sich mit diesem Phänomen vorstellen.

Der weißliche Kornealring gilt bei alten Menschen nicht als krankhaft.

Foto: Hans-Georg Palm

Bei alten Menschen handelt es sich um Kalk- und Fettablagerungen im Randbereich der Hornhaut, wodurch ein etwa drei Millimeter breiter, weißlicher Ring entsteht, der durch eine klare Zone vom Limbus corneae abgegrenzt ist (Arcus lipoides oder: Arcus senilis, Gerontoxon). Die Ursache des auch als "Greisenring" bezeichneten Symptoms ist unklar. Es gilt als nicht krankhaft. Der Visus ist meist altersentsprechend.

Ein Arcus lipoides vor dem 50. bis 60. Lebensjahr gilt jedoch als wichtiger Hinweis auf eine Hypercholesterinämie, man spricht dann vom Arcus juvenilis. Vor allem sollte die Hyperlipoproteinämie vom Typ II ausgeschlossen werden, empfiehlt Kollege Hans-Georg Palm aus Bernhardswald (MMW 23, 2007, 5). Denn diese Patienten haben wegen erhöhter Cholesterin- und Triglyceridwerte ein hohes Atherosklerose- und Herzinfarktrisiko.

Der Arcus lipoides tritt auch bei Patienten mit erhöhtem Alkoholkonsum sowie bei Patienten mit Diabetes mellitus auf. Differenzialdiagnostisch abzugrenzen ist der Arcus lipoides jedoch vom Kayser-FleischerKornealring, ein grünlich-bräunlicher Kornealring, bedingt durch Kupfer-Ablagerungen bei Morbus Wilson. Selten ist die einseitige Form des Arcus lipoides. Sie kann auf das Vorliegen einer kontralateralen Karotisstenose hindeuten, auf eine traumatische oder iatrogene okuläre Hypotonie oder auch auf eine chronische Iridozyklitis (Klin Monatsbl Augenheilkd 221, 2004, 785).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »