Ärzte Zeitung, 20.03.2015

Cholesterin

Diabetes-Schutz bei familiärer Hypercholesterinämie?

Bei familiärer Hypercholesterinämie ist das Risiko für Typ-2-Diabetes vermindert. Möglicherweise liegt das an der zellulären Aufnahme von Cholesterin.

AMSTERDAM. Die familiäre Hypercholesterinämie (FH) ist eine erbliche Störung des Lipidstoffwechsels. Aufgrund von Mutationen in den Genen für den LDL-Rezeptor (LDLR) oder das Apolipoprotein B (APOB) wird weniger Cholesterin in die peripheren Gewebe aufgenommen und zirkuliert entsprechend mehr LDL-Cholesterin im Plasma.

Betroffene haben daher ein extrem hohes KHK-Risiko. Andererseits scheinen sie seltener an Typ-2-Diabetes zu erkranken, wie ein niederländisches Screening-Programm nahelegt (JAMA 2015; 313: 1029).

Von 1994 bis 2004 hatten sich dort 63.320 Patienten auf eine FH testen lassen. Bei 25.137 Patienten wurde die Erbkrankheit bestätigt; von ihnen waren 1,75 Prozent Typ-2-Diabetiker. Von den Verwandten ohne FH litten dagegen 2,93 Prozent an einem Typ-2-Diabetes.

Wurden Unterschiede in Alter, BMI, HDL-Cholesterin, Triglyzeriden, Statingebrauch und Raucherstatus berücksichtigt, ergab sich für die FH-Patienten sogar nur eine Diabetesprävalenz von 1,44 Prozent.

Die Diabetesraten korrelierten außerdem mit dem Schweregrad der Erkrankung, der von dem zugrunde liegenden Gendefekt abhängt. Träger von APOB-Mutationen haben nur mäßig erhöhte LDL-Cholesterin-Spiegel. Bei ihnen lag die adjustierte Diabetesrate bei 1,91 Prozent.

Einnahme von Statinen erhöht das Risiko eines Typ-2-Diabetes

Deutlich höhere LDL-Werte werden bei Patienten mit LDLR-Mutationen gemessen; dabei sind Rezeptor-negative Mutationen nochmals ungünstiger als Mutationen, die zu defekten Rezeptoren führen. In diesen Patientengruppen waren nur 1,44 Prozent (Defektmutation) und 1,12 Prozent (Rezeptor-negative Mutation) an Diabetes erkrankt.

Der Befund aus den Niederlanden passt zu einem anderen Zusammenhang, der bereits gut belegt ist: Durch die Einnahme von Statinen wird das Risiko eines Typ-2-Diabetes erhöht.

Die CSE-Hemmer blockieren die Cholesterinsynthese und bewirken dadurch eine stärkere Expression von membranständigen LDL-Rezeptoren, die wiederum für eine vermehrte zelluläre Aufnahme von Cholesterin sorgen; ihre Wirkung ist also genau gegensätzlich zu der einer FH.

"Der durch den LDL-Rezeptor vermittelte Transport von Cholesterin in die Zelle könnte demnach an der Pathogenese des Typ-2-Diabetes beteiligt sein", schließen die Studienautoren um Joost Besseling vom Academic Medical Center in Amsterdam.

Ihre Hypothese: Die erhöhten intrazellulären Cholesterinkonzentrationen auch im Pankreas könnten die Funktion der Betazellen beeinträchtigen. Bei einer FH wären die Betazellen dann vor dieser Schadwirkung geschützt. (bs)

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