Ärzte Zeitung, 15.06.2015

Forscher

Rheuma-Arznei kann auch Blutfette reduzieren

KIEL. Das Rheumamedikament Tocilizumab kann den Gehalt von Lipoprotein A (Lp(a)) im Blut senken, heißt es in einer Mitteilung des Exzellenzclusters Entzündungsforschung. Eher zufällig bemerkten die Forscher, dass Erkrankte mit einer Rheumatoiden Arthritis, die mit dem Medikament Tocilizumab behandelt wurden, einen auffällig niedrigen Lp(a)-Gehalt aufwiesen.

In einer Kohorte mit 2000 Teilnehmern aus der norddeutschen Bevölkerung untersuchten die Forscher, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Lp(a)-Gehalt und Interleukin-6 gibt (J Lipid Res 2015; 56: 1034-1042).

"Dabei trat ein erhöhter IL-6 Gehalt zusammen mit einem erhöhten Lp(a)-Gehalt im Blut als auch in der Leber auf, dem Ort, wo die besonders risikoreiche Komponente des Lp(a) gebildet wird", wird Dr. Nike Müller, Erstautorin der Studie zitiert. Diesen Zusammenhang wies das Team mithilfe verschiedener unabhängiger Methoden nach.

Nach den fundierten Analysen sei der positive Einfluss des Rheumamedikaments auf den Lp(a)-Gehalt nachweislich vorhanden.

"Wir wissen jetzt, dass die Therapie mit Tocilizumab gleich zwei Erkrankungen behandelt: Die rheumatoide Arthritis und erhöhtes Lp(a). Wenn das Präparat zukünftig auch eine Zulassung für die Behandlung von erhöhten Lp(a) Werten im Allgemeinen bekäme, hätten wir Mediziner eine gute Handlungsgrundlage, um das Medikament auch bei betroffenen Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen einer rheumatoiden Arthritis gezielt einzusetzen, als Alternative zur Dialyse. Dies würde die Therapie dieser Fettstoffwechselstörung für Ärztinnen und Ärzte sowie Erkrankte erheblich vereinfachen", berichtet Studienleiter Professor Matthias Laudes in der Mitteilung. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »