Ärzte Zeitung, 11.01.2005

KHK-Patienten profitieren von Arznei-Quartett

Nutzen von vier Medikamenten-Gruppen zur Dauertherapie in Interventionsstudien belegt / Vitamin E schützt Herz nicht

MANNHEIM (wst). Abgesichert durch die Ergebnisse großer kontrollierter Interventionsstudien, profitieren Patienten mit KHK von Thrombozyten-Aggregationshemmern, Betablockern, Statinen und ACE-Hemmern. Nitrate sollten symptomorientiert verwendet werden. Für Vitamin E liegen bei KHK-Patienten inzwischen eher nachteilige Befunde vor.

So lautete das Fazit eines Vortrags, den Professor Thomas Münzel aus Hamburg bei einem von Servier unterstützten Symposium in Mannheim gehalten hat. Wie Münzel ausführte, ist anhand großer Meta-Analysen kontrollierter Studien inzwischen gut belegt, daß eine Dauerprophylaxe mit Acetylsalicylsäure (ASS) die Prognose von Patienten mit KHK signifikant verbessert. Als Alternative bei ASS-Unverträglichkeit sei Clopidogrel bei diesen Patienten Mittel der Wahl.

Münzel warnte vor unnötigen ASS-Pausen, etwa vor kleinen chirurgischen Bagatelleingriffen. Denn eine retrospektive Analyse weist darauf hin, daß akute Koronarsyndrome gehäuft mit dem kurzfristigen Absetzen von ASS zusammentreffen.

Betablocker senken den kardialen Sauerstoffverbrauch, wirken antiarrhythmisch und verbessern die Prognose von Postinfarktpatienten und von Patienten mit Hypertonie. Dies gilt nach Studien bei einigen Betablockern auch für die Herzinsuffizienz. Wenn man die Daten mehrerer Studien zusammennehme, sei ein Nutzen für Betablocker auch bei Patienten mit stabiler KHK unabhängig von häufig assoziierten Risikofaktoren nachgewiesen, so Münzel.

Statine hatten in Interventionsstudien mit KHK-Patienten bei hohen und auch bei relativ niedrigen LDL-Ausgangswerten einen ausgeprägten Nutzen. Zumindest bis zu einem LDL-Spiegel von 75 mg/dl könne man heute wohl sagen: je niedriger bei KHK-Patienten das LDL-Cholesterin, desto besser.

War ein ACE-Hemmer bei KHK bislang nur für Patienten mit zusätzlichem Risiko wie linksventrikulärer Dysfunktion oder Diabetes empfohlen, müsse man sie nach den Ergebnissen der EUROPA-Studie (wir berichteten) praktisch für jeden KHK-Patienten fordern, so Münzel weiter. Nitrate sollten auf die akute symptomatische Behandlung gegen Angina pectoris-Beschwerden beschränkt werden.

Kein gutes Haar ließ Münzel an Vitamin E: Bereits in der HOPE-Studie kristallisierte sich heraus, daß das KHK-Patienten als Oxidationsschutz verabreichte Vitamin nicht nur nutzlos war, sondern die damit versorgte Patientengruppe im Vergleich zur placeboversorgten Kontrollgruppe verstärkt zur Entwicklung einer Linksherzinsuffizienz neigte.

STICHWORT

Statin-Absetzsyndrom

In der retrospektiven Nachanalyse der PRISM-Studie war bei 84 Patienten mit akutem Koronarsyndrom eine vorbestehende Statintherapie abgesetzt worden, hat in der Diskussion zu Münzels Vortrag Professor U. Laufs aus Homburg an der Saar berichtet.

Dabei wurde herausgefunden, daß diese Patienten bezüglich Morbidität und Mortalität schlechter abgeschnitten hatten als Patienten mit akutem Koronarsyndrom, die nie ein Statin bekommen hatten oder bei denen eine Statintherapie fortgesetzt worden war.

In noch unveröffentlichten Auswertungen der PRISM-PLUS-Studie hat sich dieser Befund wiederholt und die zusammengefaßten Daten aus beiden Studien ergeben ein signifikantes Ergebnis für die Existenz eines Statin-Absetzsyndrom bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom.

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