Ärzte Zeitung, 27.06.2005

Ein krankes Frauenherz hat besondere Symptome

Infarktzeichen sind bei Frauen oft anders als bei Männern / Verdächtig sind Rückenschmerz, Luftnot und Übelkeit

HAMBURG (nie). Symptome eines Herzinfarkts sind bei Frauen häufig deutlich anders als bei Männern. "Bei Frauen äußern sich Infarkte weniger durch Brustschmerzen und Vernichtungsangst, sondern vielmehr durch Atemnot, Übelkeit, Erbrechen und Rückenschmerzen", so Privatdozent Andreas van de Loo.

Frauen mit Herzinfarkt geben häufig Herzstolpern und weniger Brustschmerz als Symptom an. Foto: klaro

Noch vor 20 Jahren war nur bei Männern der Herzinfarkt die Volkskrankheit Nummer eins. Inzwischen haben die Frauen kräftig aufgeholt. Bei der Sterberate liegen mittlerweile beide Geschlechter etwa gleichauf, erinnerte der Chefarzt des Zentrums für Innere Medizin/Kardiologie am Marienkrankenhaus in Hamburg. Und: Bei Männern schlagen die Therapien oft gut an, bei Frauen lassen sich die Behandlungen offenbar häufig immer noch optimieren, wie van de Loo beim Hamburger Herztag gesagt hat.

Häufiger Fehldiagnosen bei Frauen als bei Männern

Etwa 150 000 Frauen sterben jährlich an Herz-Kreislauf-Leiden, 130 000 pro Jahr erkranken neu. Die Zahl der Fehldiagnosen sei bei Frauen mit 26 Prozent deutlich höher als bei Männern mit 18 Prozent, so van de Loo auf der gemeinsamen Veranstaltung der Deutschen Herzstiftung e.V. und der Hansestadt. In Studien wurde belegt, daß Frauen bei Verdacht auf Herzinfarkt seltener zu weiteren Untersuchungen geschickt werden als Männer. Weniger aussagekräftig sei bis heute auch ein Belastungs-EKG bei Frauen. Häufig wiesen die Befunde bei ihnen auf ein Infarktrisiko hin, was sich schon allzu oft als falsche Diagnose erwiesen habe, sagte van der Loo. Ein Infarkt äußere sich bei Frauen seltener durch Schmerzen zentral in der Brust sondern eher im rechten Brustbereich. Zudem sei im Gegensatz zu Männern der Schmerz oft unabhängig von Belastungen. Auch gäben betroffene Frauen häufiger Herzstolpern und weniger Brustschmerz als Symptome an. Luftnot, Schulter- und Nackenschmerzen sowie Schweißausbrüche seien typisch. Risikopatientinnen hätten oft Angina pectoris, seien in der Postmenopause und hätten Diabetes mellitus.

Ein großes Plus sind die eigenen weiblichen Hormone

Im Gegensatz zu den Männern habe bei Frauen eine erbliche Veranlagung sowie die Adipositas eine geringere Bedeutung. Ein großes Plus für Frauen sind die eigenen Hormone, die sie vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Wenn Frauen erstmals wegen eines Herzinfarkts ins Krankenhaus kommen sind sie meist um die 70 Jahre alt. Männer sind im Mittel schon zehn Jahre früher betroffen.

Zur Vorbeugung gegen Herzinfarkt rät van der Loo den Frauen: Sie sollten nicht rauchen, einen Body Mass Index von unter 25 haben, ein kleines Glas eines alkoholischen Getränks am Tag trinken, Mittelmeerkost bevorzugen und sportlich aktiv sein.

Weitere Infos zu Herzinfarkt unter www.aerztezeitung.de

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