Ärzte Zeitung, 29.11.2005

Frauen brauchen eine besondere Infarktdiagnostik

Jede fünfte Infarktpatientin klagt nur über Übelkeit

BERLIN (grue). Bei Verdacht auf Herzinfarkt liefert ein Belastungs-EKG bei Frauen zu 50 Prozent falsch positive und zu 30 Prozent falsch negative Ergebnisse. Bei Frauen sollten deshalb mehr bildgebende Verfahren in der Infarkt-Diagnostik angewendet werden.

Darauf hat Professor Vera Regitz-Zagrosek von der Charité Berlin beim Hochdruckliga-Kongreß in Berlin hingewiesen. Bei Frauen verlaufe unter dem Einfluß von endogenem Östrogen die vaskuläre Schädigung anders, weil dieses Hormon unter anderem die flußabhängige Vasodilatation, die Intima-Media-Dicke und die arterielle Compliance mitbestimme. Beim Herzinfarkt gebe es auch in der Symptomatik und bei der Prognose Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Herzinfarkt-Symptome sind bei Frauen anders als bei Männern

Der Herzinfarkt mache sich bei mehr als jeder fünften Frau nur durch Übelkeit bemerkbar. Weitere Beschwerden seien Schmerzen zwischen den Schulterblättern und Schweißausbrüche, so Regitz-Zagrosek, die das Zentrum für Geschlechterforschung in der Medizin leitet.

Die von Männern abweichende Symptomatik und die erschwerte Diagnostik könnten mit ein Grund dafür sein, daß die Sterberate nach Herzinfarkt bei Frauen höher ist. Sie betrug in Deutschland im Jahr 1999 44 Prozent bei Frauen und 36 Prozent bei Männern. Früher wurde die Differenz mit dem höheren Durchschnittsalter von Frauen mit Infarkt begründet.

"Das stimmt so nicht, denn auch bei jüngeren Frauen ist nach einem Herzinfarkt die Letalität hoch", sagte Regitz-Zagrosek. Die schlechtere Prognose von Frauen hänge wohl eher mit deren Komorbidität zusammen. "Bei Frauen führt ein Diabetes häufiger zum Infarkt als bei Männern".

Die meisten jüngeren Frauen mit Infarkt sind Raucherinnen

Vermutlich werde nach den Wechseljahren das Renin-Angiotensin-Sys-tem stark aktiviert. Das kardiovaskuläre Risiko bei Diabetes, Hypertonie und Adipositas werde dadurch noch höher. "Frauen nach der Menopause, mit Übergewicht und Diabetes sind deshalb stark gefährdet", sagte die Internistin. Auch Nikotin ist schlecht, und das schon in jüngeren Jahren: Frauen, die im Alter von unter 50 Jahren einen Herzinfarkt bekommen, sind zu 80 Prozent Raucherinnen.

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