Ärzte Zeitung, 14.03.2006

"Schmerzlose Myokard-Ischämie bei Diabetikern: Das ist ein Mythos"

Bei Koronarkranken wurden gezielt Ischämien induziert / Studie von Schweizer Kollegen

ATLANTA (gvg). Daß Diabetiker bei Myokard-Ischämien weniger Schmerzen hätten als Nicht-Diabetiker, gehört für die meisten Ärzte zum kleinen Einmaleins der Kardiologie. Eine Schweizer Studie widerspricht dieser weit verbreiteten Einschätzung jetzt vehement.

Der Mythos des Diabetikers, der Ischämien seltener bemerkt als der Nicht-Diabetiker, weil er weniger Angina pectoris verspürt, sei bisher nie auf seine Richtigkeit hin untersucht worden, so Dr. Rainer Zbinden. Zusammen mit seinen Kollegen von der Universität Bern hat der Kollege diese Wissenslücke jetzt ausgefüllt. Er ist überzeugt, daß er mit einer Legende aufräumt.

Bei insgesamt 452 Koronarpatienten, davon 113 mit einem Diabetes mellitus, wurde von den Ärzten während einer Herzkatheter-Untersuchung gezielt eine Koronar-Ischämie in einem intakten Myokardareal induziert. Dies geschah, indem eine Minute lang ein PTCA-Ballon aufgeblasen wurde. Mittels intrakoronarem EKG wurde das Auftreten von Ischämien registriert.

Diese wurden dann mit den von den Patienten berichteten Beschwerden in Beziehung gesetzt. Die beiden Gruppen unterschieden sich nicht hinsichtlich Alter, Geschlecht oder Kollateralisierung der Herzkranzgefäße. Auch bei der antianginösen Medikation gab es keine Unterschiede.

Zu Ischämien mit einer Anhebung der ST-Strecke im intrakoronaren EKG kam es durch die Intervention bei 78 Prozent der Diabetiker und bei 80 Prozent der Nicht-Diabetiker. Auch Angina-Beschwerden waren in der Gruppe der Nicht-Diabetiker etwas häufiger.

Wurde aus beiden Parametern nun die Häufigkeit stiller Ischämien berechnet, ergab sich zwischen den beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied. Stille Ischämien traten bei 22 Prozent der Diabetiker und bei 15 Prozent der Nicht-Diabetiker auf. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant (p=0,10).

Die weit verbreitete Auffassung, daß Diabetes-Patienten bei Myokard-Ischämien weniger Angina pectoris verspürten, scheine demnach nicht den Tatsachen zu entsprechen, so die Forscher, die ihre Studie auf dem ACC-Kongreß als Poster präsentierten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »