Ärzte Zeitung, 24.04.2006

KOMMENTAR

Auf Langzeitdaten kommt es an

Von Thomas Müller

Können Infusionen mit blutbildenden Stammzellen tatsächlich geschädigte Gefäße und Herzen reparieren? Noch läßt sich diese Frage nicht eindeutig beantworten, obwohl es dazu mehrere klinische Studien gibt. In diesen ließen sich durch Infusionen mit autologen, im Labor vermehrten Stammzellen, die Schäden nach einem Herzinfarkt mildern, die Auswurffleistung bei Patienten mit chronischer KHK oder schwerer Angina pectoris steigern und Beinamputationen bei pAVK verhindern.

Und jetzt haben Kardiologen in Mannheim auch Daten vorgelegt, nach denen Abkömmlinge von Stammzellen, sogenannte Progenitorzellen, einer Herzinsuffizienz nach einem Herzinfarkt vorbeugen: Die linksventrikulärer Auswurffraktion ließ sich mit der Therapie deutlich steigern.

Die meisten der Studien haben jedoch einen Haken: Die Patienten wurden nur vier bis sechs Monate beobachtet. Vor kurzem wurden nun Langzeitdaten der ersten Studie mit Stammzellen bei Herzinfarktpatienten veröffentlicht. Nach sechs Monaten war die Auswurffraktion mit der Therapie deutlich besser als mit Placebo, nach 18 Monaten war sie aber wieder gleich groß. Von Erfolgen mit Stammzellen sollte man also erst sprechen, wenn die Therapie langfristig wirkt.

Lesen Sie dazu auch:
Mehr Pumpkraft nach Infarkt durch Stammzellen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »