Ärzte Zeitung, 13.06.2006

Blaufuß-Syndrom nach Koronar-Angiographie

Katheter-Manipulation kann Cholesterin-Kristalle aus Plaques lösen / Symptome wie bei Kontrastmittelnephropathie

WIESBADEN (sko). Eine Koronar-Angiographie kann schwere Folgen haben: Durch die Katheter-Manipulation können sich Cholesterin-Kristalle aus den Plaques lösen, die dann in der Mikrozirkulation zu Entzündungen, Gefäßspasmen und Verschlüssen führen können. Betroffen davon sind besonders häufig die Haut und die Nieren.

Stenose der rechten Koronarie, mit Koronar-Angiographie entdeckt. Bei dem Verfahren können sich Cholesterin-Kristalle aus Plaques lösen und Arteriolen verstopfen. Foto: E. Erdmann

Bei Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom ist die Koronarangiographie ein übliches und meist unkompliziertes Standardverfahren. So zunächst auch bei einem 64jährigen Patienten, den Professor Matthias Blumenstein von der Klinik Augustinum in München vorgestellt hat.

Der Mann hatte eine Koronar-Angiographie erhalten und war nach einer Stentimplantation beschwerdefrei, sagte Blumenstein bei einem Fallseminar beim Internistenkongreß in Wiesbaden.

Doch dies blieb leider nicht so: Nach drei Tagen kam es zu Gewichtszunahme, Dyspnoe, der Blutdruck stieg wieder auf 190/105 mmHg, das Kreatinin stieg auf 4,6 mg/dl. Außerdem klagte der Mann über Schmerzen in den Unterschenkeln und Füßen, die Blumenstein und seine Kollegen zunächst aber nicht weiter berücksichtigten.

Als die Niere ihre Funktion dann ganz einstellte und das Kreatinin auf 5,4 mg/dl gestiegen war, entschied man sich mit der Diagnose Kontrastmittel-Nephropathie zur Hämodialyse, worauf sich die Beschwerden verringerten - bis auf die Schmerzen in den Unterschenkeln.

Statt dessen kam ein auffälliger Hautbefund der Füße mit blau livider Verfärbung dazu, was auch als Blaufuß-Syndrom bezeichnet wird. Die daraufhin entnommene Hautbiopsie offenbarte, was die Ursache für die Symptome war: Die Arteriolen waren durch thrombotisches Material verlegt, dessen Kern sich als Cholesterin-Kristalle entpuppte.

    Häufig sind Haut und Nieren betroffen.
   

Somit lautete die neue Diagnose Cholesterin-Embolie, wobei der Patient die typische Manifestation an Haut und Niere aufwies. "Besonders die Nierenbeteiligung kann die Abgrenzung zur Kontrastmittelnephropathie mitunter extrem schwierig machen", sagte Blumenstein bei der vom Unternehmen MSD organisierten Veranstaltung.

Aber auch Augen, ZNS oder Gastrointestinaltrakt können betroffen sein. "Wo die Symptome auftreten, hat in großen Maßen damit zutun, wo sich die Cholesterinkristalle lösen", so Blumenstein.

Die Prognose bei Cholesterin-Embolie ist aufgrund der sehr beschränkten therapeutischen Maßnahmen - es lassen sich lediglich neue Embolien verhindern - schlecht. So mußten auch bei diesem Patienten beide Vorfüße teilamputiert werden, und er blieb bis heute dialysepflichtig.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »