Forschung und Praxis, 22.05.2006

Zum ersten Mal gezeigt: Statintherapie kann Atherosklerose rückgängig machen

Stenosen mit Statin signifikant verkleinert: IVUS-Forscher Steven E. Nissen. Foto: RKC

Je tiefer, um so besser! Dieses Konzept, wonach bei Patienten mit Koronarer Herzkrankheit der Nutzen einer LDL-Cholesterinsenkung um so größer ist, je tiefer der LDL-Wert nach unten gedrückt wird, hat in Atlanta eine neue Bestätigung erhalten.

Eine ganz außergewöhnliche, wie es sie bisher noch nicht gegeben hat. Denn zum ersten Mal in der Geschichte der Lipidsenker ist nachgewiesen worden, daß durch die Modifikation des LDL-Spiegels im Blut die Atherosklerose nicht nur gebremst oder gestoppt, sondern sogar rückgängig gemacht werden kann.

Nachweis der Regression mit intravaskulärem Ultraschall

Erbracht worden ist der Beweis mit ASTEROID, einer prospektiven, randomisierten, offenen Studie mit 507 KHK-Patienten von 53 Zentren in USA, Kanada, Europa und Australien und einer Beobachtungszeit von zwei Jahren. ASTEROID steht für "A Study to Evaluate the Effect of Rosuvastatin On Intravascular Ultrasound-Derived Coronary Atheroma Burden", Studienleiter ist Steven E. Nissen aus Cleveland im US-Staat Ohio.

Gemessen worden ist der Rückgang der Atherosklerose mit intravaskulärem Ultraschall (IVUS), einer Methode, die mehr Aussagekraft hat als früher benutzte angiographische Meßmethoden und die auch genauer ist. Nissen gilt als einer der Pioniere dieser Methode. Vor anderthalb Jahren, beim Kongreß der European Society of Cardiology in München, hatte er die REVERSAL-Studie vorgestellt und belegt, daß mit einem Statin - in REVERSAL war es das Atorvastatin - die Atherosklerose gestoppt werden kann.

Nun also sogar eine Regression! Studienmedikament in ASTEROID war ebenfalls ein Statin, das Rosuvastatin (Hersteller: AstraZeneca), das zwar nicht in Deutschland, wohl aber in vielen anderen Ländern auf dem Markt ist. Erreicht wurde mit dem Medikament, so Nissen, "die größte Cholesterin-Senkung, die es jemals in einer großen Statin-Studie gegeben hat".

Der LDL-Spiegel wurde im Mittel um 53,2 Prozent gesenkt, von 130,4 auf 60,6 mg / dl. Außergewöhnlich auch, daß mit dieser Substanz auch der Spiegel des HDL-Cholesterins relativ stark nach oben gegangen ist, um 14,7 Prozent, von 43,1 auf gute 49 mg / dl. Werte, die selbstverständlich statistisch hochsignifikant sind.

LDL-Spiegel wird halbiert, Plaque-Volumen nimmt ab

349 Patienten konnten bis zum Ende der Studie beobachtet werden. Bei zwei Dritteln von ihnen bildete sich die Atherosklerose zurück. Der Rückgang beim Plaque-Volumen lag, je nach Parameter, zwischen relativ 8,5 und 6,7 Prozent, was ebenfalls hochsignifikant ist (p < 0,001).

Jetzt, so Steven Nissen, sind große klinische Studien nötig, um zu sehen, wie sich solch eine Therapie auf Morbidität und Sterblichkeit auswirkt. Eindeutig ist für ihn aber, daß es für eine optimale Therapie keine festen LDL-Grenzen gibt, sondern daß eben gilt: Je tiefer, um so besser. (HR)

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