Ärzte Zeitung, 06.09.2006

Es klappt: Eine Beratung pro Woche - und die Patienten leben gesünder!

10 000 schafften in Großstudie Lebensstiländerung und Reduktion von Risikofaktoren

BARCELONA (Rö). Allen Unkenrufen zum Trotz klappt es in der Praxis wirklich: Durch eine gezielte Beratung kann man Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko oder KHK zu Lebensstiländerungen bewegen. Sie essen dann gesünder, trainieren regelmäßig und hören mit dem Rauchen auf. Dadurch können sie Bluthochdruck, Diabetes oder Fettstoffwechsel deutlich besser kontrollieren. Das belegen Daten des Projektes EUROACTION der European Society of Cardiology.

Unerläßlich für die Gesundheit: frisches Obst. Daß Patienten überzeugt werden können, genug Obst zu essen, wurde im Projekt EUROACTION belegt. Foto: PhotoDisc

Ziel des Projektes war es, kardiovaskuläre Risikofaktoren stärker zu reduzieren, als das bislang mit üblicher Betreuung in Praxen und Kliniken der täglichen Versorgung gelingt. Die EUROACTION-Ergebnisse wurden jetzt beim Welt-Kardiologen-Kongreß in Barcelona vorgestellt.

An dem Programm waren zwölf Kliniken und Allgemein-Praxiszentren mit mehr als 10 000 Patienten in mehreren Ländern Europas beteiligt, allerdings nicht in Deutschland. Die Patienten der Hausärzte wurden ein Jahr lang einmal pro Woche von Krankenschwestern beraten. Die Kliniken wurden zudem von Diätberatern, Physiotherapeuten und Herzsport-Spezialisten unterstützt. Dort erhielten Patienten mehrere Male pro Woche insgesamt vier Monate lang Beratungen.

Die Ergebnisse, die Professor David Wood aus London präsentierte, lassen sich sehen. Im Vergleich zu Patienten aus Praxen und Kliniken, die herkömmlich betreut wurden, gelang es den Projektteilnehmern tatsächlich, einen deutlich gesünderen Lebensstil anzunehmen:

  • 72 Prozent der KHK-Patienten aßen die empfohlene Menge von Obst und Gemüse von mindestens 400 Gramm täglich in fünf Portionen. Bei herkömmlicher Betreuung waren es nur 35 Prozent.
  • 55 Prozent der KHK-Patienten im Programm gelang es, den kalorischen Anteil der gesättigten Fette auf unter zehn Prozent zu begrenzen im Vergleich zu 40 Prozent in der Vergleichsgruppe.
  • 17 Prozent aßen, wie empfohlen, mindestens dreimal pro Woche fetten Fisch. Das waren doppelt so viele wie bei herkömmlich betreuten Patienten (acht Prozent).
  • 58 Prozent der Raucher in dem Programm schafften es aufzuhören, im Vergleich zu 47 Prozent, die nicht am Programm teilnahmen.
  • Mit 41 Prozent war der Anteil derjenigen, die vier- bis fünfmal pro Woche 30 bis 45 Minuten bei 60 bis 75 Prozent der maximalen Pulsrate trainierten, doppelt so hoch wie der Anteil bei Normalbetreuung.
  • Den empfohlenen Bauchumfang von maximal 94 cm bei Männern und maximal 80 cm bei Frauen erreichten in dem Programm 35 Prozent und 27 Prozent der Teilnehmer (Standardversorgung: 22 und 21 Prozent).

Die Auswirkungen der Lebensstiländerung waren deutlich: Einen Blutdruck unter 140/90 mmHg erreichten mit dem Programm 72 Prozent der Nichtdiabetiker (Normalbetreuung: 60 Prozent). 38 Prozent der Diabetiker im Programm schafften ihren Zielwert von 130/85 mmHg (Vergleichsgruppe: 17 Prozent). Den Cholesterin-Zielwert von höchstens 5 mmol / l (193 mg / dl) erreichten mit 78 Prozent mehr Patienten als bei Standardbetreuung (71 Prozent).

Die Patienten in EUROACTION erhielten auch häufiger als die anderen herzschützende Therapien wie Plättchen-Hemmer, Beta-Blocker, Diuretika, ACE-Hemmer und Statine.

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