Ärzte Zeitung, 19.12.2006

Erfolg mit Therapie bei gestörter Glukose-Toleranz

Schon im Stadium der Glukose-Toleranzstörung sind Gefäß-Komplikationen häufig / Studie zur Diabetes-Prävention mit Rosiglitazon

FRANKFURT AM MAIN (ner). Bereits im Stadium der gestörten Glukose-Toleranz (GGT) sollten Patienten behandelt werden. Dafür spricht sich Professor Stephan Jacob aus Villingen-Schwenningen aus. Der Diabetologe rät, besonders bei KHK-Patienten gezielt nach einer eventuell vorhandenen GGT zu suchen.

Postprandial erhöhte Werte deuten auf gestörte Glukosetoleranz. Foto: AOK

Im European Heart Survey mit fast 5000 Teilnehmern hatten lediglich ein Viertel der Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) noch eine normale Glukose-Toleranz. Das hat Jacob bei einer Veranstaltung in Frankfurt am Main berichtet. Dagegen war bei 30 Prozent von ihnen die Glukose-Toleranz gestört und 43 Prozent hatten einen manifesten Diabetes.

Womöglich müsse man die KHK als prädiabetischen Zustand auffassen, so der Endokrinologe bei der Veranstaltung des Unternehmens GlaxoSmithKline. "Wenn wir immer nur auf den Nüchternblutzucker achten, kommen wir viel zu spät!", warnte er. Denn wenn dieser abnorm werde, habe es oft schon ein kardiovaskuläres Ereignis gegeben.

50 Prozent der Patienten mit Diabetes mellitus vom Typ 2 haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits vaskuläre Komplikationen. "Die mikrovaskulären Komplikationen mindern die Lebensqualität und die makrovaskulären Komplikationen bedrohen das Leben", betonte Jacob. Zudem seien zum Zeitpunkt der Diagnose bereits die Hälfte der Insulin-produzierenden Betazellen im Pankreas zerstört.

Ziel der frühen Behandlung müsse es deswegen sein, die Insulinsensitivität der peripheren Gewebe ebenso zu erhalten wie die Betazell-Funktion. Veränderungen des Lebensstils und vermehrte körperliche Aktivität können zwar die Insulinsensitivität verbessern. Allerdings habe dies kaum Effekte auf die Betazellfunktion und die Insulinsekretionsstörung, sagte Jacob.

Er verwies auf protektive Effekte der Glitazone, die nicht nur die periphere Glukoseaufnahme der Gewebe bessern und die Glukoneogenese der Leber reduzieren. Sowohl experimentell als auch in klinischen Studien konnte damit die Betazellfunktion erhalten werden. In der DREAM-Studie wurde unter der Therapie mit Rosiglitazon (Avandia®) bei Menschen mit GGT die Diabetes-Inzidenz im Vergleich zu Placebo signifikant reduziert.

Wenn 1000 GGT-Patienten drei Jahre lang mit Rosiglitazon behandelt würden, verhindere dies 144 zusätzliche Diabetes-Erkrankungen im Vergleich zu Placebo, hieß es. Die Glukosetoleranz normalisierte sich bei 50 Prozent der Patienten mit dem Insulinsensitizer, unter Placebo bei 30 Prozent. Allerdings gibt es keine Zulassung für die Glitazon-Behandlung bei GGT.

Jacob rät, identifizierte GGT-Patienten ausführlich über ihr kardiovaskuläres und Diabetes-Risiko aufzuklären, nach weiteren vaskulären Risikofaktoren zu fahnden, früh ein Belastungs-EKG vorzunehmen, Lebensstil-Änderungen anzuregen, sowie Betablocker zu meiden.

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