Sofortige Koronarintervention ist bei stabiler KHK kein Muss

NEW ORLEANS (ob). Bei den meisten Patienten mit stabiler KHK besteht trotz Koronarstenosen keine zwingende Indikation für eine sofortige perkutane Koronarintervention. Denn im Vergleich zu einer leitliniengerechten medikamentösen Therapie hat die invasive Behandlung als initiale Option bei diesen Patienten prognostisch keinen Vorteil.

Veröffentlicht:

Zu diesem Ergebnis kommt die COURAGE*-Studie. Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse dieser Studie sind jetzt beim ACC-Kongress in New Orleans in den Vereinigten Staaten vorgestellt worden. Die Studie relativiert damit den vor allem unter Kardiologen weit verbreiteten Glauben, dass Koronarstenosen bei symptomatischer stabiler KHK unverzüglich beseitigt gehören, um Schaden für den Patienten zu vermeiden. Die Forschung belegt nun etwas anderes.

Für die COURAGE-Studie sind 2287 symptomatische KHK-Patienten mit dokumentierten Myokardischämien ausgewählt worden. Alle erhielten eine optimale medikamentöse Behandlung sowohl mit antianginösen (Kalziumantagonisten, Nitrate) als auch prognoseverbessernden Medikamenten (ASS, Betablocker, ACE-Hemmer, Statine). Zusätzlich zur optimierten Medikation ist die Hälfte der Patienten einer Koronarintervention mit Stent-Implantation zur Beseitigung bestehender Koronarstenosen unterzogen worden.

Die Erwartung war, dass die zusätzliche Koronarintervention Sterbe- und Herzinfarktrate weiter verringern würde erwies sich als falsch: Nach einer mittleren Beobachtungsdauer von 4,6 Jahren waren die Ereignisraten mit 19 Prozent (medikamentöse Therapie plus Koronarintervention) versus 18,5 Prozent (medikamentöse Therapie) in beiden Gruppen nahezu gleich, berichtete Studienleiter Professor William Boden. In beiden Gruppen kam es zu einem deutlichen Rückgang der pektanginösen Beschwerden, wobei die symptomatische Wirkung der invasiven Therapie zumindest anfänglich etwas stärker war. Doch auch die medikamentöse Therapie habe in dieser Hinsicht eine überraschend gute Wirksamkeit bewiesen, betonte Boden.

Welche Konsequenzen haben diese Ergebnisse für die Praxis? Nach Ansicht Bodens bestätigen die Daten die Leitlinien-Empfehlung, wonach die invasive Option bei stabiler KHK erst dann in Betracht kommen soll, wenn die Symptome medikamentös allein nicht mehr beherrschbar sind. Die medikamentöse Therapie könne nun den Patienten mit stabiler KHK als primäre Option mit der Gewissheit angeboten werden, dass keine Gefahr besteht, wenn auf die sofortige invasive Revaskularisation verzichtet wird.

Unberührt von diesen Ergebnissen bleibt der dokumentierte Nutzen der perkutanen Koronarintervention bei instabilen KHK-Patienten mit akutem Koronarsyndrom.

*COURAGE bedeutet Clinical Outcomes Utilizing Revascularization an Aggressive Drug Evaluation

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Arzt in einem weißen Arztkittel spricht mit einem männlichen Patienten über die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung und gibt anhand dieser eine Behandlungsempfehlung ab.

© Pcess609 / stock.adobe.com

Kommunikationsfehler vermeiden

Tipps: So sollten Sie mit Patienten über Risiken und Zahlen sprechen

Weltkugel mit Viren

© ImageFlow / stock.adobe.com

Review und Leitlinie

Ambulante antivirale COVID-19-Therapie: Was US-Wissenschaftler empfehlen

Das hochintensive Intervalltraining (HIIT) enthält kurze, aber maximale Belastungsphasen mit anschließender kurzer Erholungspause.

© shevtsovy / stock.adobe.com

Prävention kardiometabolischer Risiken

Wie hochintensives Intervalltraining Herz und Lungen stärkt