Ärzte Zeitung, 24.04.2007

Zielwerte bei Lipid-Senkung oft nicht erreicht

Statin-Dosierungen werden häufig nicht hoch dosiert / Hinweise auf Vorteil mit Kombinationstherapie

MANNHEIM (ner). Patienten mit Fettstoffwechselstörungen sollten noch intensiver behandelt werden als bislang. Darauf haben Experten beim Kardiologen-Kongress hingewiesen. Bisher erreicht nur jeder dritte Patient mit einer Statintherapie die Zielwerte. Das habe auch Konsequenzen für das Überleben der Betroffenen.

In der Angiografie wird eine Koronarstenose (Pfeil) sichtbar. Je mehr Gefäßregionen betroffen sind, umso größer ist die Infarktgefahr. Foto: Siemens Medical Solutions

Je besser Therapieleitlinien umgesetzt würden, desto weniger Krankheitsfolgen träten auf, sagte Professor Christoph Bode aus Freiburg bei einer Veranstaltung von MSD. Und je besser die Adhärenz bei der Statin-Einnahme, desto geringer sei die Sterberate, so der Kardiologe unter Verweis auf eine aktuelle Studie mit 31 400 Herzinfarkt-Patienten (JAMA 297, 2007, 177).

Von den Hochrisiko-Patienten starben 40 Prozent innerhalb von zweieinhalb Jahren bei geringer Therapietreue, aber nur 30 Prozent bei hoher Therapietreue. Auch in der Niedrigrisiko-Gruppe gab es signifikante Unterschiede bei der Sterberate bei schlechter, mittlerer und guter Adhärenz.

Den LDL-Zielwert erreichen nur 40 Prozent der KHK-Patienten

Aktuelle Erhebungen in deutschen Kliniken und in kardiologischen Praxen bei fast 10 000 Patienten haben ergeben, dass nur 40 Prozent mit KHK und nur jeder dritte Patient mit Diabetes den LDL-Zielwert von unter 100 mg/dl (2,6 mmol/l) erreicht. Der Hauptgrund dafür ist, dass falsche Dosierungen nicht angepasst werden. Für Hochrisikopatienten werden optional Zielwerte unter 70 mg/dl (1,8 mmol/l) empfohlen.

Allerdings stoße man bei der Cholesterinsenkung durch Monotherapie an Grenzen, betonte Professor Dirk Müller-Wieland aus Hamburg. Günstig sei daher die Kombination mehrerer Wirkmechanismen, etwa der Cholesterin-Synthese und der Cholesterin-Resorption. In verschiedenen Studien konnten doppelt so viele Patienten mit der Kombination eines Statins mit dem Resorptionshemmer Ezetimib die Zielwerte erreichen als mit der Statin-Monotherapie.

Bestätigt worden sind diese Ergebnisse mit der VYTAL-Studie bei 1200 Typ-2-Diabetikern. Bei einer Therapie mit 40 mg Atorvastatin täglich erreichten ein Fünftel der Patienten den LDL-Zielwert von unter 70 mg/dl, mit der Kombination von 10 mg Ezetimib plus 40 mg Simvastatin (Inegy) waren es 80 Prozent.

STICHWORT

Cholesterintransfer

Das Enzym Cholesterinesterase spaltet die mit der Nahrung aufgenommenen Cholesterinester im Darm in Cholesterin und freie Fettsäuren. Die schlecht wasserlöslichen Lipolyse-Spaltprodukte werden in Mizellen gespeichert. Die Mizellen, deren Hülle hauptsächlich aus Gallensäuren besteht, zerfallen beim Kontakt mit der Membran der Darmepithelzellen. Das Cholesterin und die freien Fettsäuren gelangen dann über Trägerproteine ins Innere der Darmepithelzellen. (skh)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »