Kardiologen fordern stärkere Lipidsenkung bei KHK

WIEN (HR). In der Wissenschaft geht der Trend immer weiter nach unten. In der täglichen Praxis jedoch kommen die Kollegen zum Nachteil ihrer Patienten seit Jahren nicht nach. Das ist, auf den einfachsten Nenner gebracht, die Situation, wenn es um KHK-Patienten und deren LDL-Cholesterinspiegel geht.

Veröffentlicht:

Unter 100 mg/dl sollte der LDL-Wert nach den alten Leitlinien bei Hochrisiko-Patienten liegen, bei Patienten mit Diabetes und einer KHK sogar unter 70 mg/dl. Wie sehr im Alltag diese Grenzen verfehlt werden, ist am Samstag bei einem der Auftakt-Symposien zum Kongress der European Society of Cardiology in Wien erneut heftig beklagt worden.

In Österreich zum Beispiel, so berichtete Professor Gerald Maurer von der Universität Wien, hat eine Überprüfung der Daten von mehr als 6000 Patienten ergeben, dass nur bei 30,8 Prozent von ihnen die Zielwerte erreicht wurden. Sieben von jeweils zehn Patienten waren also unterversorgt. Der Durchschnittswert, gerechnet auf alle Patienten, lag bei 126 mg/dl. Alle hatten eine Monotherapie mit einem Statin bekommen. Österreich steht hier nur als Beispiel für die meisten Länder Europas und für die USA. Dort ist die Situation nicht grundlegend anders.

Ob und wie weit das Ergebnis in Österreich auf zu niedrige Dosierungen der Statine zurückzuführen ist, gab Maurer nicht bekannt. Aber auch wenn die Dosierungen nicht optimal gewesen sind: Die starken LDL-Senkungen, wie sie nach den Erkenntnissen der Forscher nötig sind, wären mit einer Kombinationstherapie viel leichter zu erzielen.

Empfohlen wird dabei, wie zu erwarten, die Kombination aus zwei Mitteln mit unterschiedlichen und sich ergänzenden Mechanismen: einem Hemmer der Cholesterinsynthese in der Leber und einem Hemmer der Cholesterin-Resorption im Darm. Genauer: die Kombination aus Simvastatin und der Substanz Ezetimib (Inegy®). Wobei für diese Arzneikombination bereits eine Menge Studien vorliegen, wonach die Kombitherapie jeder Monotherapie überlegen ist.

Aber wie tief ist tief genug? In den vergangenen Jahren sind die Zielwerte in den Empfehlungen immer wieder gesenkt worden. Von anfangs 130 mg/dl auf 100 mg/dl und sogar auf etwa 70 mg/dl. Und immer haben die Patienten, wenn sie denn so behandelt worden sind, davon profitiert. Und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Bis jetzt, sagt Professor Christopher Cannon von der Harvard-Universität in Boston in den USA, kann man nur eins sagen: Je tiefer, je besser!

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Systematisches Review mit Metaanalyse

Psychische Probleme wohl mit akutem Koronarsyndrom assoziiert

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram

Modell eines Körpers, in dem der Darm zu sehen ist.

© J.G Studio / Stock.adobe.com / Generated with AI

Akute Enteropathie und Enteritis

Radiotherapie bei Krebs: Diese Maßnahmen schützen den Darm