Ärzte Zeitung, 23.01.2008

KHK lässt sich oft nicht-invasiv klären

Bei mittelhohem KHK-Risiko reicht häufig eine Koranar-CT zur Diagnose aus / Empfehlungen zur Bildgebung

BERLIN (gvg). Mit modernen CT-Geräten haben virtuelle Koro-narangiografien eine Qualität erreicht, die in vielen Fällen für eine Befundung ausreichen. Doch wann sollte eine CT und wann ein Herzkatheter angefordert werden? Auf dem 32. Fortbildungsforum der Bundesärztekammer in Berlin wurden dazu Empfehlungen gegeben.

3-D-Darstellung von Koronargefäßen mit Computer-Tomografie (CT). Eine Stenose (Pfeil) ist deutlich zu erkennen.

Foto: Medizin 2 / Uni-Klinikum Erlangen

Entscheidend ist nach Auffassung des Radiologen Privatdozent Jörn Sandstede vom Röntgenzentrum Hamburg die Vortestwahrscheinlichkeit (etwa anhand von Anamnese und Scores wie PROCAM-Score): Vor allem bei Patienten, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer KHK niedrig oder mittelhoch ist, sei die Zuverlässigkeit der Koronar-CT gut.

"Kandidat für eine Koronar-CT ist nicht der 60-jährige Raucher, der beim Treppensteigen Angina pectoris bekommt, und auch nicht der Patient mit pathologischem Belastungs-EKG und kardialen Risikofaktoren", so Sandstede. Bei unklaren Brustbeschwerden allerdings, bei zweifelhaften Befunden in den Belastungsuntersuchungen oder auch belastungsabhängigen Herzrhythmusstörungen sieht er für die CT einen Stellenwert.

Studien haben für die Zuverlässigkeit der CT-Koronarangiografie mittlerweile Zahlen geliefert. Sie belegen, dass negative Koronar-CT-Befunde bei Patienten mit einer Vortestwahrscheinlichkeit von 50 Prozent und weniger praktisch immer verlässlich sind. "Liegt die Vortestwahrscheinlichkeit dagegen bei 90 Prozent, dann sind schon 17 Prozent der negativen Koronar-CT falsch negativ", so Sandstede.

3-D-Darstellung von Koronargefäßen nach Implantation eines Stents (Pfeil) bei einem anderen Patienten.

Foto: Dr. Gert O. Kerkhoff, Alfried-Krupp-KH Essen

Als weitere Indikationen für die virtuellen Koronar-Angiografien sieht der Experte die Kon-trolle von Bypässen. Mit der Magnetresonanztomografie lässt sich die Durchgängigkeit von Bypässen strahlenfrei nachweisen. Schwierigkeiten mache bei der MRT allerdings noch die distale Anastomose, betonte Sandstede. Wer es hier genau wissen will, muss zur CT greifen, bei der Sensitivität, Spezifität, negativer und positiver prädiktiver Wert auch distal jeweils über 90 Prozent liegen.

Die Stent-Kontrolle ist dagegen schwieriger: "Nur mit den modernsten Geräten kann derzeit ein negativ prädiktiver Wert von 95 bis 98 Prozent erreicht werden", so Sandstede. Das gelingt allerdings auch nicht bei allen Stents. Einige seltener eingesetzte Stentmaterialien machen Schwierigkeiten. Auch unterhalb eines Stentlumens von 3 mm stößt die CT derzeit noch an ihre Grenzen.

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