Ärzte Zeitung, 26.02.2008
Ein Glas Wein entspannt das Herz, zwei Gläser setzen es unter Stress
Nur kleine Alkoholdosis ist hämodynamisch günstig
TORONTO (mut). Ein Glas Wein am Abend ist fein, mehr sollten es aber besser nicht sein. Nach Daten kanadischer Forscher werden die günstigen hämodynamischen Effekte von einem Glas Wein bereits durch ein zweites wieder zunichte gemacht.
Wer täglich ein Gläschen Wein trinkt, lebt länger als Abstinenzler und bekommt seltener einen Herzinfarkt. Darauf deuten viele Langzeitstudien. Allerdings: Viel mehr als ein Glas war in solchen Studien kaum von Nutzen.
Weshalb, können jetzt möglicherweise Dr. Jonas Spaak und seine Mitarbeiter aus Toronto erklären: In einer Studie ließen sie Freiwillige verblindet entweder ein oder zwei Gläser Wein, eine entsprechende Menge Ethanol oder Wasser trinken. Die Dosis wurde nach Geschlecht und Körpergewicht individuell bestimmt, sodass alle Personen ähnliche Blutalkoholwerte erreichten. Das Glas Wein bei einem 68 kg schweren Mann enthielt dabei 155 ml Spätburgunder.
Die Ergebnisse etwa 15 Minuten nach dem Trinken: Ein Glas Wein hatte keinen Einfluss auf die Herzfrequenz, zwei erhöhten die Frequenz jedoch um knapp 6 Schläge pro Minute. Ein Glas Wein erweiterte die Brachialarterien, ohne jedoch die sympathische Muskelaktivität zu erhöhen. Ein zweites Glas erhöhte die Aktivität bereits. Ein Glas Wein verminderte das Herzzeitvolumen verglichen mit Wasser um 0,8 l/min, ein zweites Glas erhöhte es um 1,2 l/min. Ein zweites Glas Wein verringerte die flussvermittelte Vasodilatation, nicht aber das erste Glas. Übrigens: Der Effekt war mit Ethanol ähnlich ausgeprägt.
Das Fazit der Autoren: Ein Glas Wein entspannt Herz und Gefäße, eine zweites sorgt für Stress. Und der könne auf Dauer Hypertonie, Herzinfarkte und Schlaganfall begünstigen (Am J Physiol Heart Circ Physiol 294, 2008, H605).

Weitere Beiträge
Weitere Top-Meldungen
[18.03.2010]
Die private Krankenversicherung konzentriert ihren Wettbewerb auf junge, gesunde Versicherte, lässt alte Tarife systematisch vergreisen und kranke Versicherte in die Kostenfalle laufen. Die ärztliche Versorgung ist teuer und - anders als in der GKV - ohne effektive Steuerungsmöglichkeiten.
mehr »
[18.03.2010]
Trotz des kalten Winters könnte die Zeckenplage und das damit verbundene Risiko einer Gehirnhautentzündung weiter ansteigen. "Es gibt keine Veranlassung zu glauben, dass die Zecken weniger geworden sind", erklärte Professor Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena am Mittwoch auf einer Veranstaltung in München.
mehr »
[18.03.2010]
Bei vier von fünf Menschen mit Ganzkörperschmerzen ist davon auszugehen, dass sie in ihrer Kindheit missbraucht wurden und überfordert waren. Darauf hat Dr. Gerhard Müller-Schwefe zum Auftakt des Deutschen Schmerz- und Palliativtags in Frankfurt hingeweisen.
mehr »