Ärzte Zeitung, 05.03.2008

Erhöhen Statine das Risiko für Tendinopathien?

Pharmakovigilanz-Daten aus Frankreich liefern Hinweise auf eine mögliche, aber extrem seltene Nebenwirkung

ROUEN (ob). Auf eine extrem seltene, aber dennoch beachtenswerte unerwünschte Wirkung von Statinen machen jetzt französische Kollegen aufmerksam. Nach ihren Daten können diese Lipidsenker in Einzelfällen in einem möglichen Zusammenhang mit Beschwerden an den Sehnen stehen.

 Erhöhen Statine das Risiko für Tendinopathien?

Foto: Klaro

Statine gelten gemeinhin als sichere und gut verträgliche Pharmaka. Ihr günstiger Einfluss auf Morbidität und Sterberate bei Patienten mit Koronarerkrankung wurde in vielen klinischen Studien dokumentiert. Hinweise darauf, dass eine Statintherapie mit Problemen an den Sehnen assoziiert sein könnte, haben sich in diesen Studien allerdings nicht ergeben. Ein entsprechender Verdacht basiert lediglich auf in der Fachliteratur beschriebenen Einzelfällen.

Eine französische Forschergruppe um Dr. Isabell Marie von der Universitätsklinik in Rouen wollte diesem Verdacht in einer eigenen Untersuchung gezielt nachgehen. Die Forscher haben zu diesem Zweck Meldungen an französische Pharmakovigilanz-Zentren über Komplikationen bei mit Statinen behandelten Patienten retrospektiv genauer unter die Lupe genommen (Arthritis Rheum 59, 2008, 367). Innerhalb eines Zeitraums von 15 Jahren (1990 bis 2005) stießen sie dabei auf insgesamt 96 spontane Meldungen von an den Sehnen aufgetretenen Komplikationen. Davon betroffene Personen waren im Schnitt 56 Jahre alt.

Als häufigste Sehnenkomplikation waren Sehnenentzündungen bei 63 Patienten gemeldet worden, gefolgt von Rupturen bei 33 Patienten. Die meisten registrierten Tendinopathien (59 Prozent) ereigneten sich im ersten Jahr nach Beginn einer Statintherapie. Sie waren mit keinem bestimmten Statin assoziiert, sondern traten bei der Behandlung mit unterschiedlichen Substanzen wie Atorvastatin, Simvastatin oder Pravastatin auf. Der zeitliche Zusammenhang zwischen Therapiebeginn und Beschwerden spricht nach Auffassung der Autoren sehr dafür, dass die Statinbehandlung ursächlichen Einfluss hatte. Denn nach Absetzen der Therapie verschwanden die Beschwerden, nach Neubeginn kehrten sie zurück.

Die Autoren räumen ein, dass es sich angesichts der häufigen Verordnung dieser Lipidsenker um eine extrem seltene Nebenwirkung handelt. Allerdings sollte man zumindest in besonderen Situationen - etwa bei körperlich stark belasteten Patienten oder bei Komedikation mit Pharmaka, die mit Statinen interagieren können - an diese Möglichkeit denken.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »