Stent ist Bypass-Op bei komplexen Stenosen unterlegen

Bypass-Op oder Stent - was ist die beste Strategie? Ergebnisse einer Studie liefern dazu neue Bewertungskriterien.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:

In der SYNTAX-Studie wurde die koronare Bypass-Op mit der Katheter-gestützten Stenoseaufdehnung plus Stent-Implantation bei KHK-Patienten mit komlexen Koronarstenosen verglichen. Gemessen an der Häufigkeit schwer wiegender Komplikationen (Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall nach einem Jahr) bestand in der Studie kein Unterschied zwischen beiden Revaskularisationsverfahren (Inzidenz: 7,7 versus 7,6 Prozent).

Allerdings war die Rate notwendiger Zweitinterventionen in dieser Zeit nach perkutaner Koronarintervention (PCI) signifikant höher als nach Bypass-Operation (13,7 versus 5,9 Prozent). Das war ausschlaggebend dafür, dass das primäre Studienziel - Nachweis der "Nicht-Unterlegenheit" der PCI - nicht erreicht wurde.

Interventionelle Kardiologen werden in den Studiendaten dennoch genügend Argumente für ihre perkutane Behandlungsstrategie finden. Sie können vor allem darauf verweisen, dass Bypass-Operationen mit einer signifikant höheren Rate an Schlaganfällen assoziiert waren (2,2 versus 0,6 Prozent). Zudem ist die Studie selbst ein Beleg dafür, wie erfolgreich die Kardiologen inzwischen auf Gebiete vorgedrungen sind, die bisher als Domäne der Herzchirurgen galten. Denn die Studienteilnehmer waren Patienten mit sehr komplexen Koronarläsionen (Hauptstammstenosen und koronare 3-Gefäß-Erkrankung).

In der Studie sind 1800 KHK-Patienten, die für die koronarchirurgische und interventionelle Behandlung gleichermaßen geeignet erschienen, randomisiert einem von beiden Verfahren zugeteilt worden. Vorausgegangen war eine Beurteilung durch ein "Herzteam", das sich aus Kardiologen und Herzchirurgen zusammensetzte, die einen Konsensus herstellen sollten. Die interventionell behandelten Patienten bekamen einen Medikamente-beschichteten Stent (Taxus®) implantiert.

Weitere 1077 Patienten, bei denen wegen hochkomplexer Stenosen nur die Bypass-Op infrage kam, wurden in ein Register aufgenommen. In dieser Gruppe waren die 1-Jahres-Ergebnisse sogar besser als bei Bypass-Patienten im randomisierten Studienarm, so der Leipziger Herzchirurg Professor Friedrich Mohr.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© DG FotoStock / shutterstock

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Herz mit aufgemalter Spritze neben Arm

© Ratana21 / shutterstock

Studie im Fokus

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Prävention durch Influenzaimpfung?

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© skynesher | E+ | Geytty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Medizinischer Infusions-Tropf mit buntem Hintergrund

© Trsakaoe / stock.adobe.com

Hochdosis-Therapie

Vitamin C bei Infektionen und Long-COVID

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Maximale Vitamin-C-Blutspiegel nach oraler (blau) und parenteraler (orange) Tagesdosis-Gabe.

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Infusion

Parenterale Gabe erzielt hohe Plasmakonzentrationen an Vitamin C

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 2: Schneller Wirkeintritt von Naldemedin im Vergleich zu Placebo in den Studien COMPOSE-1 und COMPOSE-2

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [15]

Opioidinduzierte Obstipation

Selektive Hemmung von Darm-Opioidrezeptoren mit PAMORA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Viatris-Gruppe Deutschland (Mylan Germany GmbH), Bad Homburg v. d. Höhe
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

KV Thüringen

Akutpraxis in Gera: Praxismodell gegen den Ärztemangel

Systematisches Review

Kortikosteroide bei schwerer Pneumonie wahrscheinlich nützlich

Lesetipps
Nie wieder spritzen? Small Molecules wie Orforglipron (C48H48F2N10O5) haben viele Vorteile gegenüber herkömmlichen Inkretinmimetika, etwa orale Einnahme, leichtere Lagerung und niedrigere Kosten.

© Kassandra / stock.adobe.com

Innovative Diabetestherapie

Nicht-peptidische GLP-1-Rezeptoragonisten am Start

Eine Frau sitzt einem älterem Arzt gegenüber.

© Jonas Glaubitz / stock.adobe.com

Nachsorge

Welche Unterstützung Krebspatienten von ihren Hausärzten erwarten

Eine Frau fässt sich mit den Händen an die Brust

© Art_Photo / stock.adobe.com

Unterschiede der Geschlechter

Herzinfarkte und Ischämie bei Frauen: Was ist wirklich anders?