Ärzte Zeitung, 22.12.2008

Aufklärung über Koronarintervention durch Hausärzte?

MÜNCHEN (wst). Die Klage ist nicht neu, aber nach wie vor aktuell: In Deutschland werden zu häufig perkutane Koronarinterventionen (PCIs) gemacht. Dabei gehen die Patienten, die sich für diese auch kostenträchtige Maßnahme entscheiden, oft von falschen Voraussetzungen aus. Hausärzte können hier wichtige Aufklärungsarbeit leisten.

In keinem Land der Welt werden -bezogen auf die Bevölkerungszahl - so viele PCIs gemacht wie in Deutschland, hat Professor Peter Baumgart aus Münster bei der Fortbildungsveranstaltung "Kardiologische Rehabilitationsmedizin" in München gesagt.

Und auch nach den Ergebnissen der umfassenden COURAGE*-Studie, ist in Deutschland im Gegensatz zu den USA keine Trendumkehr, sondern weiterhin eine steigende PCI-Rate zu verzeichnen, kritisierte Baumgart. Die Studie hatte bestätigt, dass Patienten mit stabiler KHK bei optimierter Pharmakotherapie von einer zusätzlichen PCI für die Prognose keinen und symptomatisch nur einen eher bescheidenen, zeitlich befristeten Nutzen erwarten können (wir berichteten),

Intervention bei weiterhin belastenden Symptomen

Würde Patienten mit stabiler KHK gesagt, dass sich an ihrer Prognose durch eine PCI nichts ändert, würden wohl weit mehr als heute dem Eingriff nicht zustimmen. Da sich so mancher Kardiologe in der Entscheidung für oder gegen eine PCI in einem auch wirtschaftlich beeinflussten Interessenkonflikt befindet, wäre sicher hilfreich, wenn Patienten bereits von ihren überweisenden Hausärzten über Sinn und Zweck einer PCI aufgeklärt und für Fragen an den Kardiologen gerüstet würden, so Baumgart auf der von MSD und Essex Pharma organisierten Veranstaltung.

Eine PCI bei stabiler KHK hält Baumgart in Übereinstimmung mit aktuellen Leitlinien nur dann für gerechtfertigt, wenn trotz optimierter Pharmakotherapie weiterhin subjektiv belastende Symptome bestehen. Das Argument, wonach Patienten mit einer schlechten Pharmako- Compliance auch prognostisch von einer PCI profitieren, mochte Baumgart nicht gelten lassen. Denn gerade bei der Arznei-Einnahme unzuverlässige Patienten könnten durch eine PCI mehr verlieren als gewinnen. Nämlich dann, wenn sie postinterventionell durch unzuverlässige Clopidogrel-Einnahme ein hohes Risiko für Stentthrombosen provozieren.

*Clinical Outcomes Utilizing Revascularization and AGgressive Drug Evaluation

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »