Ärzte Zeitung, 14.01.2009

Kälte wirkt bei Alten anhaltend hypertensiv

Mögliche Ursache ist ein gestörter Baroreflex / Vorsicht bei Risikopatienten

PARIS (hub). Je niedriger die Außentemperatur, desto höher ist der Blutdruck. Vor allem bei über 80-Jährigen ist der Blutdruck stark mit der Temperatur assoziiert.

Kälte wirkt bei Alten anhaltend hypertensiv

Ist es draußen kalt, steigt das kardiovaskuläre Risiko.

Foto: imago

Bei fast 9000 über 65-jährigen Studienteilnehmern haben Forscher aus Frankreich über zwei Jahre regelmäßig den Blutdruck gemessen. Dabei fanden sie eine enge Korrelation der Blutdruckwerte mit den Außentemperaturen (Arch Int Med 169, 2009, 75). Die systolischen Werte lagen in der kalten Jahreszeit (Temperaturen unter 8°C) im Mittel um 8 mmHg höher als in der warmen Jahreszeit (über 21°C). Mit 14 mmHg waren die Unterschiede bei über 80-Jährigen besonders stark ausgeprägt.

Der Effekt des Kältestress-Tests aus dem Physiologie-Praktikum vom Medizinstudium - nach wenigen Minuten normalisiert sich der Blutdruck wieder - hält bei alten Menschen also an. Denn der Blutdruck wurde bei den Studienteilnehmern früh am Morgen daheim gemessen. Sie waren also die ganze Nacht in der Wohnung und nicht draußen in der Kälte.

"Das Ergebnis ist erstaunlich und zeigt, dass bei alten Menschen der Baroreflex gestört zu sein scheint", sagte Professor Ulrich Laufs vom Uniklinikum Homburg / Saar zur "Ärzte Zeitung". Das erhöhte kardiovaskuläre Risiko durch Kälte bestehe bei ihnen also - anders als bei jungen Menschen - fort. "Persistierende Thoraxschmerzen oder neurologische Symptome sollten daher immer Anlass sein, den Notarzt zu rufen."

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