Direkt zum Inhaltsbereich

Restenose-Bildung: Zählen nur die ersten Tage?

Wie genau verhindern Zytostatika wie Paclitaxel bei Patienten mit Koronarer Herzkrankheit die Restenose nach Koronarinterventionen? Neue Daten aus Studien mit beschichteten Ballons deuten darauf hin, dass die ersten Stunden oder Tage entscheidend sein könnten.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Vorbereitung eines Herz-Patienten zur Intervention.

Vorbereitung eines Herz-Patienten zur Intervention.

© Foto: Bernd Weißbrod dpa/lsw

Restenosen nach Interventionen an den Herzkranzgefäßen entstehen über einen Zeitraum von Wochen bis Monaten durch unkontrollierte Proliferation der Gefäßwandzellen. Durch Pharmaka wie Paclitaxel oder Sirolimus kann diese Proliferation bei vielen Patienten verhindert werden. Das ist das Prinzip von Stents, die Medikamente freisetzen (Drug eluting stents, DES).

Bisher war man davon ausgegangen, dass eine langfristige und dauerhafte Einwirkung der Substanzen wichtig ist, um die Proliferation der Wand effektiv zu hemmen. DES setzen die Pharmaka deswegen langsam frei. Der Preis dafür ist, dass die Gefäßintima bei DES sehr viel länger braucht, um den Stent komplett zu bedecken als bei unbeschichteten Stents. Das erhöht das Thromboserisiko, weswegen DES-Patienten bekanntlich mindestens ein Jahr lang Clopidogrel einnehmen sollten.

Mittlerweile gibt es aber erste Daten mit Koronar-Ballons, die Paclitaxel freisetzen und die mit diesem Konzept nicht in Einklang gebracht werden können. Mit Paclitaxel beschichtete Ballons (Drug eluting balloons, DEB) setzen das Medikament nur in einer bis zu 30 Sekunden langen Phase frei, während derer der Ballon bei einer PTCA mit einem Druck von mehreren Atmosphären aufgeblasen wird. In mehreren kleineren Studien haben nun diese DEB Revaskularisationsergebnisse erzielt, die mit denen der DES vergleichbar sind. In einer randomisiert-kontrollierten Studie im direkten Vergleich mit einem DES war der beschichtete Ballon (SeQuent® Please) bei Patienten mit in-Stent-Restenose sogar überlegen, und zwar sowohl hinsichtlich der Häufigkeit erneuter Restenosen als auch bei den klinischen Endpunkten. Mit anderen Worten: Wenn sich diese Ergebnisse bestätigen, ist eine längerfristige Freisetzung der Zytostatika zur Verhinderung von Restenosen gar nicht nötig.

Wie kann das sein? "Wir glauben, dass die entscheidenden Prozesse für die Restenosebildung sehr früh nach der Intervention stattfinden", erläuterte Professor Ulrich Speck von der Charité in Berlin bei einer Veranstaltung des Unternehmens B.Braun Melsungen.

Durch die Intervention entstünden minimale Einrisse an der Intima, die den Proliferationsreiz auf die Gefäßwand ausüben. Wenn dieser frühe Proliferationsreiz durch den Wirkstoff Paclitaxel oder andere Zytostatika blockiert werde, führe das dazu, dass der zur Restenose führende Kreislauf möglicherweise irreversibel unterbrochen wird, so der Experte.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Koronare Herzkrankheit

Was es bringt, bei KHK routinemäßig auf Niereninsuffizienz zu screenen

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Lithiumtherapie aktiviert WNT-Signalweg

Regeneration der COPD-Lunge: Was ist da möglich?

Änderungen im Überblick

So wirkt sich das GKV-Spargesetz auf Praxen aus

Hepatologie im Wandel

Patienten mit Leberfibrose und -zirrhose bald heilbar?

Lesetipps
Ärztin untersucht einen Mann an der Schulter

© New Africa / stock.adobe.com

Betäubungsmittel richtig verordnen

Opioide in der Urlaubsvertretung: Wie sich Missbrauch vorbeugen lässt

Tablets to maintain the correct functioning of the human cardiovascular system on a blue background close-up

© bisonov / stock.adobe.com

Kombi schlägt Monotherapie

Diese Blutdrucksenker werden am besten vertragen