Ärzte Zeitung, 28.04.2010

Kommentar

Hoher Standard in der Infarkttherapie

Von Peter Overbeck

In keinem europäischen Land ist die Zahl der diagnostischen Herzkatheter-Untersuchungen und perkutanen Koronarinterventionen so hoch wie in Deutschland. Das hat Kritiker auf den Plan gerufen, die interventionellen Kardiologen einen zu freizügigen Umgang mit der einträglichen Katheter-Medizin vorwerfen. Über die Berechtigung dieses Vorwurfs lässt sich bei Patienten mit stabiler Koronarerkrankung sicher diskutieren, von denen viele wohl auch mit einer optimalen medikamentösen Therapie allein ausreichend behandelt sind. Keinen Zweifel am Nutzen der perkutanen Koronarintervention gibt es hingegen mit Blick auf instabile KHK-Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt.

Viele Einzelstudien wie auch Metaanalysen gepoolter Studiendaten belegen, dass bei diesen Patienten die Inzidenz von tödlichen und nicht tödlichen kardiovaskulären Ereignissen durch eine primäre perkutane Koronarintervention im Vergleich zur fibrinolytischen Therapie signifikant gesenkt wird. Dass in Deutschland mittlerweile vier von fünf Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt eine solche Reperfusionstherapie erhalten, ist also alles andere als ein Ausdruck kardiologischen Übereifers - es ist nicht weniger als ein Zeichen für den hohen Therapiestandard in diesem Land.

Lesen Sie dazu auch:
Spitzenplatz bei der Infarkttherapie

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »