Ärzte Zeitung, 10.06.2010

Kleine Statur - erhöhtes Infarktrisiko

TAMPERE (ob). Menschen von kleiner Statur haben ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Koronarerkrankung als ihre sie an Körpergröße überragenden Mitmenschen, so das Ergebnis der bislang umfangreichsten Studienübersicht zu diesem Thema.

Kleine Statur - erhöhtes Infarktrisiko

Die Größe macht es also doch: Der große Herr im schwarzen Anzug hat ein vergleichsweise geringeres Koronarinfarktrisiko.

© [M] RTimages / fotolia.com

Seit im Jahr 1951 erstmals über eine inverse Beziehung zwischen Körpergröße und Herzinfarktrisiko berichtet wurde, ist dieser Zusammenhang in rund 1900 Literaturveröffentlichungen thematisiert worden.

Nicht in allen Studien ist allerdings eine entsprechende Assoziation von Körpergröße und Koronarerkrankungen bestätigt worden. Unterschiede zwischen Studien bei den untersuchten Populationen, bei der Definition der Endpunkten sowie den Kriterien für große und kleine Statur sind mögliche Gründe für die Inkonsistenz der Ergebnisse.

Für mehr Klarheit könnte eine systematischen Analyse aller relevanten Studien sorgen, die es bis dato aber nicht gab. Diese Lücke hat eine finnische Arbeitsgruppe um Dr. Tuula A. Paajanen jetzt geschlossen. Das Team hat nach einer akribischen Literatursuche insgesamt 52 Studien ausgemacht, die brauchbare Daten zum Zusammenhang zwischen Körperstatur und Koronarrisiko bei mehr als drei Millionen untersuchten Personen lieferten (European Heart Journal online).

Als klein und groß wurden in dieser Metaanalyse Menschen eingestuft, deren Körpergröße im Schnitt unter 160,5 cm beziehungsweise über 173,9 cm lag (Männer: unter 165,4 cm versus über 177,5 cm; Frauen: unter 153 cm versus über 166,4 cm).

Das Ergebnis ist eindeutig: Die Wahrscheinlichkeit für kardiovaskuläre Erkrankungen war bei kleinen Menschen rund 50 Prozent höher als bei Menschen von großer Statur. Das gilt für Männer ebenso wie für Frauen. Die Gesamtsterberate war dabei relativ um 37 Prozent erhöht, die kardiovaskuläre Mortalitätsrate um 55 Prozent und die Herzinfarktrate um 52 Prozent.

Die Gründe für diese Assoziation sind bislang unklar. Eine von den Autoren angeführte Hypothese lautet, dass kleinere Menschen auch kleinere Koronararterien haben. Dort könne es früher als in größeren Koronarien zu Verschlüssen kommen.

Studie im Volltext: "Short stature is associated with coronary heart disease: a systematic review of the literature and a meta-analysis"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »