Ärzte Zeitung, 12.12.2011

Vitamin D - auch bei Herzforschern ein Renner

Vitamin D rückt zunehmend in den Fokus der Herzkreislaufforschung. Denn niedrige Spiegel sind mit einem erhöhten kardiovaskuläres Risiko assoziiert. Ob eine Supplementierung kardioprotektiv wirkt, muss sich in einer laufenden Mega-Studie erst noch erweisen.

Von Dirk Einecke

Vitamin D - auch bei Herzforschern ein Renner

Gut für die Knochen, vielleicht auch für das Herz: Sonnenlicht regt die Haut an, Vitamin D in seiner aktiven Form zu bilden

© Dudarev Mikhail / shutterstock.com

Vitamin D ist en vogue. Viele Patienten nehmen es, manche Ärzte verschreiben es, mitunter in Megadosen. Denn dem Kalziumspiegel und Knochenaufbau regulierenden Prohormon werden vielfache gesundheitsfördernde Eigenschaften zugetraut.

Dies zeigt schon der etwas diffuse kombinierte Endpunkt des randomisierten VITAL-Studie (Vitamin D and Omega-3 Trial).

Diese von US-Forschern geleitete Mega-Studie untersucht bei 20.000 Personen, ob täglich 2000 IU Vitamin D3 oder 1 g Omega-3-Fettsäure (Omacor® Fischölkapseln) das Risiko für Malignome, Herzerkrankungen oder Schlaganfall in der Primärprävention reduziert. Mit Ergebnissen wird 2016 oder 2017 gerechnet.

Bis es soweit ist, werden noch zahlreiche Wissenschaftler ihre Publikationslisten mit Forschungsbeiträgen zu Vitamin D erweitern. Auch beim Jahreskongress der American Heart Association (AHA) in Orlando wurde jüngst eine Reihe von Arbeiten vorgestellt.

Niedriges Herzrisiko bei hohen Vitamin-D-Spiegeln

Eine interessante Studie stammt aus Deutschland unter Leitung von Dr. Mahir Karakas der Universität Ulm. In ihr wurde prospektiv die Assoziation zwischen Vitamin-D3-Spiegeln und dem Risiko für erstmalige KHK-Ereignisse anhand von knapp 1800 Patienten aus der Kohorte des Monica/Kora-Projektes untersucht.

Im Laufe von 11 Jahren wurden 300 KHK-Ereignisse beobachtet. Nach Adjustierung für zahlreiche andere KHK-Risikofaktoren fanden die Forscher eine klare, statistisch signifikante Assoziation zwischen hohen Vitamin-D-Spiegeln und niedrigem KHK-Risiko, allerdings nur bei Frauen.

Vitamin D3 hemmt in vitro die Zellproliferation und induziert die Zelldifferenzierung sowie die Apoptose. Auf diese Weise könnte es vor KHK schützen, so die Autoren.

Bei Vitamin-D-Defizit war Sterberate erhöht

Auch eine dänische Langzeitstudie (Schierbeck L.L. et al.) bestätigt, dass gesunde Frauen mittleren Alters langfristig häufiger an Herzkrankheiten oder Schlaganfall leiden, wenn sie ein Vitamin D-Defizit aufweisen.

In der Studie waren rund 2000 Frauen (medianes Alter: 50 Jahre) 16 Jahre lang in einer Osteoporose-Präventionsstudie beobachtet worden.

Anfangs waren die Vitamin-D-Spiegel bestimmt worden. Ein gutes Drittel der Frauen wies ein Vitamin-D-Defizit auf (25(OH)D < 20 ng/ml). Diese Frauen hatten höhere Werte für Triglyzeride, Nüchternglukose und Body-Mass-Index. Sie rauchten häufiger und hatten ein niedrigeres HDL-Cholesterin.

8,3 Prozent der Frauen mit niedrigen Vitamin-D-Werten und 5,7 Prozent der Frauen mit normalen Vitamin-D-Werten starben im Beobachtungszeitraum - ein signifikanter Unterschied (p=0.04).

Überlebensvorteil auch nach 13 Jahren

Auch der primäre Studienendpunkt (Tod, Infarkt, Insult, Herzinsuffizienz) trat bei Vitamin-D-Defizit signifikant häufiger auf (15 vs. 10,2 Prozent, p = 0,02).

Ähnliches berichteten britische Autoren aus Oxford (Emberson J. et al): In der WHITEHALL-Studie war eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D mit einer um 21 Prozent niedrigeren Gesamtsterblichkeit assoziiert.

In der Studie waren gut 5000 ältere Männer (im Schnitt 77 Jahre) 13 Jahre lang nachbeobachtet worden. Bei gemeinsamer Betrachtung dieser Daten mit anderen Studien in einer Metaanalyse stieg der Überlebensvorteil bei guter Vitamin-D-Versorgung auf 30 Prozent.

Eine Autorengruppe aus Norwegen (Naesgaard P.A. et al. ) berichtete, dass die Bestimmung des Vitamin-D-Status geeignet sei, bei Patienten einer Chest-Pain-Unit die Prognose der Patienten vorherzusagen.

Supplementierung ohne Effekt auf Endothelfunktion

Kardiologen aus Israel (Arnson Y. et al.) hatten Patienten mit akutem Koronarsyndrom akut mit 4000 IU Vitamin D behandelt und dadurch Entzündungsparameter reduziert.

Das Internet-Portal "Theheart.org" pickte aus der Fülle der Studien zu Vitamin D eine kleine randomisierte Studie heraus, in der bei postmenopausalen Frauen mit mäßiggradig erniedrigten Vitamin D-Spiegeln vier Monate lang Vitamin D supplementiert und anschließend die Wirkung auf endotheliale Funktion, Inflammation und Blutdruck bestimmt wurde.

Ergebnis: Keinerlei Effekt war nachweisbar. Dieses unspektakuläre Ergebnis mahnt zur Vorsicht: Es gibt bis dato keinen Beweis für eine Kausalität. Deshalb gilt es, die Ergebnisse der VITAL-Studie abzuwarten, bis so etwas wie Evidenz vorliegt.

[13.12.2011, 09:01:12]
Dr. Ralf Hettich 
So erhält der Körper ausreichend Vitamin D
Die medizinische Bedeutung von Vitamin D ist wahrscheinlich größer als die verschiedenen Studien aus den USA und Deutschland uns nahelegen. Vitamin D ist jedoch trotz seinem großen Nutzen für die Gesundheit eher ein Stiefkind der Forschung. Dies hat einen einfachen Grund: An Vitamin D kann die Pharmaindustrie wenig verdienen, es ist kein Medikament und hat seinen Patentschutz längst verloren. Dennoch mehreren sich die Erkenntnisse von den vielen guten Eigenschaften von Vitamin D.

Und wie bekommt Ihr Körper ausreichend Vitamin D?

30 Minuten Sonne, die auf Ihr Gesicht, Beine oder den Rücken scheint – allerdings ohne Sonnenschutzcreme – mindestens zweimal wöchentlich, sollte ausreichend sein, dass Ihr Körper genügend Vitamin D bildet.
Aber diese direkte Sonnenbestrahlung setzt Ihre Haut auch möglicherweise einer gefährlichen Dosis, von Hautkrebs verursachenden UV-Strahlung, aus. Dermatologen raten daher von der Möglichkeit ab, das Vitamin D Depot, mit einer Sonnenbestrahlung aufzufüllen.

Ich empfehle Ihnen Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen - Dies ist eindeutig die bessere Wahl.

Mit den besten Wünschen für ein längere und gesünderes Leben

Dr. Ralf Hettich
Mailkontakt; info@ralfhettich.de zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »