Herzkatheter

Deutsche Kardiologen müssen sich umstellen

Paradigmenwechsel im Zusammenhang mit Herzkathetern: Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie macht sich für die Arteria radialis als Zugangsweg der ersten Wahl für Herzkatheter stark. Bislang ist das in Deutschland nicht üblich.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:
2011 wurden bei uns knapp 900000 Herzkatheter-Eingriffe vorgenommen, die meisten davon via Leistenarterie.

2011 wurden bei uns knapp 900000 Herzkatheter-Eingriffe vorgenommen, die meisten davon via Leistenarterie.

© Mathias Ernert, Klinikum Ludwigshafen

SOPHIA ANTIPOLIS. Die Frage des arteriellen Zugangswegs für Koronarangiografie und perkutane Koronarintervention (PCI) polarisiert die Kardiologen.

Die mögliche Wahl zwischen Arteria femoralis und Arteria radialis fällt von Land zu Land sehr unterschiedlich aus.

In Deutschland oder den USA erfreut sich der transfemorale Zugang breiter Zustimmung der Kardiologen, während der Weg über die Arteria radialis die Ausnahme ist und oft auf Ablehnung stößt.

In anderen europäischen Ländern wie Italien, Frankreich oder den skandinavischen Ländern gehört der Radialiszugang dagegen mit einem Anteil von über 50 Prozent längst zur täglichen Routine.

Transradiale Route präferiert

Jetzt hat die im südfranzösischen Sophia Antipolis ansässige ESC ein klares Zeichen gesetzt. In einem aktuellen "Konsensus-Dokument" ergreifen von der ESC mit der Aufarbeitung der Sachlage beauftragte Experten Partei für die transradiale Route als Zugangsweg der ersten Wahl (Eurointervention 2013; online 28. Januar).

Als Argument für den aus ärztlicher Sicht anspruchsvolleren Radialiszugang, der durch technische Verbesserungen aber mittlerweile einfacher geworden ist, wird in erster Linie die nachweisliche Reduktion von Blutungen an der Punktionsstelle genannt.

Patienten bevorzugen diesen Zugangsweg auch deshalb, weil sie danach ohne lange Immobilisierung schneller wieder auf die Beine kommen. Aus der Reduktion der Blutungskomplikationen scheint allerdings nach derzeitiger Studienlage kein genereller prognostischer Vorteil zu resultieren.

Allerdings mehren sich Belege dafür, dass vor allem Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) auch von einer Reduktion der Mortalität bei transradialer PCI profitieren.

Längere Durchleuchtungszeiten ein Problem

Skeptiker verweisen auf verlängerte Behandlungs- und Durchleuchtungszeiten als Problem. Pauschale Aussagen lassen sich dazu aber nicht machen. Ganz entscheidend ist die Expertise der Untersucher und Zentren.

Wird der radiale Zugang - nach einer unumgänglichen längeren Lernkurve - von erfahrenen Untersuchern gut beherrscht, relativieren sich viele vermeintliche Nachteile.

Um die nötigen Fertigkeiten dauerhaft zu erhalten, empfehlen die ESC-Experten, dass der Anteil diagnostischer oder therapeutischer Katheter-Eingriffe via Radialiszugang an Zentren bei über 50 Prozent liegen sollte und jeder Untersucher jährlich auf ein Minimum von 80 solcher Prozeduren kommen sollte.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Systematisches Review mit Metaanalyse

Psychische Probleme wohl mit akutem Koronarsyndrom assoziiert

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Rauchverzicht wirkt sich am stärksten auf die Lebenserwartung von Menschen nach Krebserkrankung aus.

© Alpha / stock.adobe.com / Generated with AI

DKFZ

Nach Krebsdiagnose: Gesunder Lebensstil kann großen Unterschied machen

Ein Mann schwimmt in einem Schwimmbecken.

© TeamDF / stock.adobe.com

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft