Ärzte Zeitung, 14.10.2013

Nach Herzinfarkt

Gute Kost von Vorteil

Wer sich nach einem Herzinfarkt an eine in der Primärprävention bewährte Ernährung hält - am besten noch strenger als vor dem Infarkt -, senkt damit auch sein KHK-spezifisches Sterberisiko.

Von Peter Leiner

 Gute Kost von Vorteil

Viel Obst und Gemüse nach einem Herzinfarkt - das lässt die Stebrerate sinken.

© thinkstock.com

BOSTON. Um zu prüfen, welchen Effekt die strikte Einhaltung einer herzgesunden Ernährung nach einem Herzinfarkt hat, analysierten US-amerikanische Epidemiologen um Dr. Shanshan Li von der Harvard School of Public Health in Boston die Daten zweier großer Studien: der Nurses Health Study und der Health Professionals Follow-up-Studie.

Informationen von insgesamt 2258 Frauen und 1840 Männern, die zu Beginn der Studien 1976 und 1986 unter anderem noch keine Koronare Herzkrankheit, keinen Tumor und keinen Schlaganfall, dagegen aber bereits einen Herzinfarkt hatten, konnten ausgewertet werden (JAMA Intern Med 2013, online 2. September).

Befragung zur Ernährung

Daten zur Ernährung wurden mithilfe eines speziellen Fragebogens ermittelt, den die Studienteilnehmer alle vier Jahre ausfüllen mussten.

Die Qualität der Ernährung wurde jeweils anhand des AHEI-Scores (Alternative Healthy Eating Index) in der Version von 2010 beurteilt. Bei diesem Index wird die individuelle Ernährung mit insgesamt bis zu 100 Punkten bewertet und bestimmt, wie groß jeweils etwa der Anteil an Getreide, Gemüse, Obst, Milch und Fleisch an der Ernährung ist. Zudem wird zum Beispiel der Anteil von Fett und gesättigten Fettsäuren an der Energieaufnahme sowie von Natrium bewertet.

Die Vergabe von Punktwerten erfolgt auch in Abhängigkeit von der Nährstoffdichte der verzehrten Lebensmittel. Getreide erhält die maximale Punktzahl von 5, wenn der Anteil über 90 g pro 1000 kcal beträgt. Bei Fleisch und Bohnen gibt es maximal 10 Punkte, wenn der Anteil bei mehr als 75 g pro 1000 kcal liegt.

Bewertung nach AHEI-Scores

Im Fokus des AHEI steht die Ernährung mit Gemüse, Obst, Nüssen und Soja, weißem Fleisch (Fisch und Geflügel), rotem Fleisch (Rind, Lamm, Reh), ungesättigten/gesättigten Fettsäuren, Transfettsäuren, Getreideballaststoffen, Multivitaminsupplementen und Alkohol.

Je höher die erreichte Punktzahl, umso stärker lehnte sich der Verzehr an die Empfehlungen an und umso besser hielten sich die Teilnehmer an die Ernährungsempfehlungen des AHEI. Die niedrigste Qualität besitzen Süßgetränke und Fruchtsäfte.

Die Gesamtqualität der Ernährung stieg von der Zeit vor dem Herzinfarkt im Vergleich zur Zeit danach durch den verstärkten Verzehr von Getreideballaststoffen und durch die Reduktion der Aufnahme von Transfettsäuren sowie von rotem Fleisch und verarbeiteten Fleischwaren.

Der Auswertung zufolge profitierten diejenigen Studienteilnehmer, die sich nicht nur vor dem Herzinfarkt, sondern auch nach diesem Ereignis an die Empfehlungen gehalten hatten, von dieser Strategie.

Während des Follow-up bis Mitte 2008 starben 682 Männer und 451 Frauen. Im Durchschnitt überlebten Frauen einen Herzinfarkt um 8,7 Jahre, Männer im Mittel um neun Jahre.

Sterberate war um 24 Prozent niedriger

Je stärker sich die Studienteilnehmer an die Empfehlungen zur Ernährung hielten, umso niedriger lag die Sterberate. Die bereinigte Hazard Ratio (HR) für die Gesamtsterblichkeit lag bei 0,76 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,60 und 0,96; p = 0,02), für die KHK-Sterblichkeit - allerdings nicht statistisch signifikant - bei 0,73 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,51 und 1,04; p = 0,08).

Die Sterberate bei denen, die sich strikt an die Ernährungsempfehlungen hielten, lag also um 24% niedriger als bei jenen, die kaum auf die Empfehlungen achteten.

Je größer der Unterschied zwischen der Compliance in der Zeit vor und nach dem Herzinfarkt war, umso niedriger war die Gesamtsterberate (HR: 0,71; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,56 und 0,91).

Und mit einer HR von 0,60 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,41 und 0,86) war der Unterschied bei der Sterblichkeit durch die Koronare Herzkrankheit noch größer.

Auffallend war unter anderem, dass der schützende Effekt einer herzgesunden Ernährung geschwächt wurde, wenn Alkoholkonsum aus der Berechnung ausgeklammert wurde: Die HR für KHK-Mortalität stieg von 0,71 auf 0,81.

Wie es im Kommentar zur aktuellen US-Studie heißt, könnte das ein Hinweis auf einen starken protektiven Effekt von moderatem Alkoholkonsum in der Sekundärprävention sein. Schon lange wird ja bereits der schützende Effekt von Polyphenolverbindungen wie Anthocyanidinen im Rotwein diskutiert.

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