Ärzte Zeitung online, 04.12.2013

NSTEMI über 80

Katheter sticht konservative Therapie

Ein frühes invasives Vorgehen führt auch bei instabiler Angina pectoris oder bei Herzinfarkten ohne ST-Strecken-Hebung (NSTE) zu besseren Ergebnissen. Das gilt auch für Hochbetagte, bestätigen US-Kardiologen.

Katheter sticht konservative Therapie auch bei Hochbetagten

Auch bei über 80-jährigen Patienten mit instabiler Angina oder NSTE-Myokardinfarkt verbessert eine frühe invasive Therapie die Prognose.

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VALHALLA/NEW YORK. Auch bei über 80-jährigen Patienten mit instabiler Angina oder NSTE-Myokardinfarkt verbessert eine frühe invasive Therapie die Prognose. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern um Dhaval Kolte vom New York Medical College in Valhalla.

In die nach ihren Angaben größte Beobachtungsstudie ihrer Art flossen die Daten von fast 970.000 Patienten im Alter von 80 Jahren und darüber ein (Am J Med 2013; 126: 1076).

Die Patienten waren zwischen 2003 und 2010 wegen instabiler Angina (5,8 Prozent) oder NSTE-Infarkten (94,2 Prozent) stationär behandelt worden. Es handelte sich dabei um sämtliche Patienten dieser Altersgruppe, die während dieses Zeitraums in der US-amerikanischen National Inpatient Sample Database erfasst worden waren.

83,3 Prozent von ihnen hatten zumindest anfangs eine konservative Behandlung erhalten. Bei 16,3 Prozent war bereits früh invasiv interveniert worden, das heißt: Es erfolgte binnen 48 Stunden eine Koronarangiografie mit oder ohne Revaskularisation.

Der Anteil der während des Klinikaufenthalts gestorbenen Patienten war unter den früh invasiv Behandelten mit 4,7 Prozent signifikant geringer als bei den initial konservativ Versorgten (8,6 Prozent).

Faktoren wie begleitende Krankheiten eingerechnet, lag die Sterblichkeit in der Interventionsgruppe knapp ein Viertel niedriger. Dieser Effekt war bei Männern wie Frauen festzustellen.

Nutzen auch bei multiplen Begleiterkrankungen

In der Interventionsgruppe gab es zudem weniger akute ischämische Insulte (1,6 vs. 3 Prozent), intrakranielle Hämorrhagien (0,1 vs. 0,3 Prozent) und gastrointestinale Blutungen (2,5 vs. 4,8 Prozent). Allerdings entwickelten mehr früh invasiv behandelte Patienten einen kardiogenen Schock (3,5 vs. 2,1 Prozent).

Nach einer Intervention konnten die Patienten durchschnittlich einen halben Tag früher entlassen werden. Die Kosten für das invasive Vorgehen überstiegen die Ausgaben für die konservative Therapie um 78 Prozent.

"Frühe invasive Therapie von 80-jährigen und älteren Patienten mit instabiler Angina bzw. NSTE-Myokardinfarkt verbessert die Überlebensraten während des stationären Aufenthalts", resümieren Kolte und Kollegen. Dies gelte sogar dann, wenn die Betroffenen multiple Begleitkrankheiten aufwiesen.

Auch eine Reihe von Komplikationen treten nach invasivem Vorgehen seltener auf. Um die Rolle invasiver Behandlung bei den ältesten und gebrechlichsten Patienten zu klären, seien langzeitige prospektive Studien nötig.

In den bisher angestellten Untersuchungen über den Nutzen früher Angiografie und Revaskularisation bei Patienten mit instabiler Angina und NSTE-Infarkt sei dieses Patientenkollektiv unterrepräsentiert. (rb)

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