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Herzinfarkt in Deutschland

NSTEMI verdrängt STEMI

In Deutschland verschiebt sich das Muster der Herzinfarkte: Während ST-Hebungsinfarkte rückläufig sind, haben Nicht-ST-Hebungsinfarkte zugenommen. Und auch die Infarktsterblichkeit in der Klinik ist immer noch relativ hoch. Für Experten ist vor allem das letzte Ergebnis "erschreckend".

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Herzkatheterlabor: Die Zahl der PCI ist seit 2005 gestiegen.

Herzkatheterlabor: Die Zahl der PCI ist seit 2005 gestiegen.

© Mathias Ernert

MÜNSTER. Ergebnisse randomisierter kontrollierter Studien, in denen etwa potente Thrombozytenhemmer oder kathetergestützte Revaskularisationsverfahren geprüft wurden, sprechen für eine stetige Verbesserung der Therapie bei akutem Myokardinfarkt. Spiegelt sich diese Entwicklung auch in der realen Praxis wider? Studien schaffen aufgrund von strenger Patientenselektion und anderen strikten Regelungen ja oft Bedingungen, die nicht repräsentativ für den normalen Klinikalltag sind.

Einen Einblick in die reale Klinikwelt wollte sich deshalb - zumindest was Herzinfarkte betrifft - eine Forschergruppe um Professor Holger Reinecke, Abteilung für Kardiologie und Angiologie an der Uniklinik Münster, verschaffen.

Die Gruppe hat sich für ihre Studie die 2003 vollzogene Umstellung auf das an Diagnosen geknüpfte Fallpauschalen-System (G-DRG) bei der Abrechnung stationärer Krankenhausleistungen zunutze gemacht (Eur Heart J 2014; online 20. Februar).

Die zu diesem Zweck von Kliniken an das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) in Siegburg übermittelten und nach einheitlichen Regeln verschlüsselten Daten bieten die Möglichkeit, zeitliche Trends bei Erkrankungen und deren stationärer Behandlung flächendeckend im deutschen Gesundheitssystem zu untersuchen. Für die Studie erhielten die Münsteraner Forscher vom Statistischen Bundesamt entsprechende Daten aus den Jahren 2005, 2007 und 2009. zur Analyse.

Die Auswertung ergab, dass in diesen drei Jahren in Deutschland insgesamt 619.289 Klinikaufnahmen wegen Herzinfarkt erfolgt waren. Das entsprach 1,3 Prozent aller stationären Aufnahmen.

Die Rate der infarktassoziierten Hospitalisierungen war mit 249, 257 und 248 pro 100.000 Einwohner in den drei Jahren relativ konstant. Hinter diesen stabilen Zahlen verbirgt sich aber ein gegenläufiger Trend bei den beiden Infarkttypen.

Unerwartet hohe Mortalität "erschreckend"

Im Jahr 2005 hatten STEMI (49,5 Prozent) und NSTEMI (51,5 Prozent) noch je zur Hälfte Anteil an den Herzinfarkt-Einweisungen. Doch das änderte sich: Schon 2007 war der Anteil der NSTEMI (57,1 Prozent) höher als der von STEMI (42,9 Prozent). Im Jahr 2009 hatten sich dann die Gewichte zwischen NSTEMI (61,5 Prozent) und STEMI (38,5 Prozent) noch weiter verschoben.

Die absolute NSTEMI-Zunahme resultierte primär aus einem Anstieg der Infarkte in der Altersgruppe der 65- bis 89-jährigen Patienten. Während das Durchschnittsalter der STEMI-Patienten bei 66,4 Jahren lag und tendenziell abnahm, waren NSTEMI-Patienten im Schnitt 5,3 Jahre älter. Dementsprechend hatten sie auch mehr Komorbiditäten wie Diabetes, Hypertonie, PAVK und Nierenerkrankungen.

Zwischen 2005 und 2009 stiegen die Raten der vorgenommenen Koronarangiografien und perkutanen Koronarinterventionen (PCI) sowohl bei STEMI als auch NSTEMI. Die Raten waren bei STEMI erwartungsgemäß stets höher als bei NSTEMI. So wurden 2009 zwei Drittel aller STEMI-Patienten (66,6 Prozent) einer PCI unterzogen, im Vergleich zu 36,6 Prozent bei NSTEMI.

Die Mortalität in der stationären Phase erwies sich mit insgesamt rund elf Prozent in den drei Jahren als konstant, aber auch als sehr hoch. Auch hinter dieser Zahl verbirgt sich ein Unterschied: Während im Jahr 2009 die Mortalität bei STEMI - gegen den allgemeinen Trend - im Vergleich zu 2005 leicht angestiegen war (auf 12,1 Prozent), zeigte sie sich bei NSTEMI trotz eines ungünstigeren Risikoprofils der Patienten leicht verringert (9,9 Prozent).

Für Studienleiterin Dr. Eva Freisinger aus Münster ist die unerwartet hohe Mortalität erschreckend. "Wir haben zwar damit gerechnet, dass die Mortalität im klinischen Alltag höher sein würde als in den randomisierten kontrollierten Studien - dass sie aber so hoch ist, hat uns sehr überrascht", bekannte Freisinger im Gespräch mit "Springer Medizin".

Die Zunahme bei den NSTEMI ist nach ihrer Ansicht zumindest partiell mit der Einführung der hochsensitiven Troponine in die Infarktdiagnostik zu erklären. Während früher vermutlich nicht wenige Infarkte - etwa bei Frauen mit atypischer Symptomatik - unklar geblieben seien, lasse sich die Diagnose heute mittels Troponine besser sichern - was die Zahl der Infarkte wohl erhöht habe. (ob)

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