Direkt zum Inhaltsbereich

Myokardinfarkt

Die schädliche Wirkung des Rauchstopps

Wer einen Herzinfarkt durchgemacht hat, sollte das Rauchen aufgeben. Und er sollte auf sein Gewicht achten. Dumm nur, dass beides zusammen laut Ergebnissen einer kanadischen Studie nicht gut funktioniert.

Veröffentlicht:
Rauchstopp: Die Mehrzahl der Infarktpatienten nahm nach einer Entwöhnung zu.

Rauchstopp: Die Mehrzahl der Infarktpatienten nahm nach einer Entwöhnung zu.

© Anyka / fotolia.com

MONTREAL. Die Zusammenhänge von Tabakabstinenz und Gewichtsentwicklung hat ein Team um Sonia Grandi von der McGill University in Montreal in einer Studie untersucht (Am J Med 2014, online 10. März).

Beteiligt waren 179 Patienten, die sich nach einem Herzinfarkt einer neunwöchigen Therapie mit Bupropion zur Raucherentwöhnung unterzogen hatten und danach halbjährlich zur Nachuntersuchung erschienen.

Die Probanden wurden drei Gruppen zugeordnet. Gruppe 1 (92 Patienten) bestand aus konsequenten Nichtrauchern, Gruppe 2 (49) aus unregelmäßigen und Gruppe 3 (38) aus regelmäßigen Rauchern.

Obwohl demnach fast die Hälfte der Patienten zumindest gelegentlich wieder rauchte, war der Rückgang des Zigarettenkonsums in allen Gruppen erheblich. In Gruppe 1 betrug das Minus 20 Zigaretten pro Tag, in Gruppe 2 rauchten die Patienten im Schnitt täglich 13,5 und in der dritten Gruppe 12,9 Zigaretten weniger als zu Beginn der Untersuchung.

Der Preis des Verzichts wog allerdings schwer: Durchschnittlich legten die Probanden in zwölf Monaten 4 kg an Gewicht zu. Jeder dritte Teilnehmer brachte mehr als 5 kg zusätzlich auf die Waage.

Aggressive Gewichtskontrolle nötig

Bei den Nikotinabstinenten betrug die mittlere Gewichtszunahme 4,8 kg, bei den unregelmäßigen Rauchern 2,0 kg und bei den regelmäßigen Rauchern 3,0 kg.

Bemerkbar machte sich dies nicht nur an der Bundweite. Wer nach einem Jahr mehr wog, hatte im Durchschnitt auch einen höheren Blutdruck. Der systolische Wert stieg im Median um 10,0 und der diastolische um 5,0 mmHg.

Zudem bedurften 6,8 Prozent der zu Beginn nicht-diabetischen Probanden, die mehr als 5 Prozent an Körpergewicht zugenommen hatten, nach einem Jahr einer Blutzucker senkenden Medikation. Andererseits hatten zu Beginn der Studie 82 Prozent, nach zwölf Monaten aber 87,5 Prozent der Probanden mit Gewichtszunahme keine solchen Arzneimittel nötig.

"Die Mehrzahl der Patienten, die nach einem Myokardinfarkt versucht, sich das Rauchen abzugewöhnen, speckt im Jahr danach auf", resümieren Grandi und ihre Kollegen. Jeder vierte Patienten wechsle dabei in eine höhere BMI-Kategorie.

Aggressive Gewichtskontrolle sei daher vonnöten, um zu verhindern, dass der kardiovaskuläre Nutzen des Rauchverzichts durch eine substanzielle Gewichtszunahme zunichtewerde. (rb)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Das Gewicht des Rauchs

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

Logo VasioCore

© InMediq

inmediQ

VasioCore: Patientenspezifischer Cardiovascular Twin

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Lilly

Lilly

Adipositassprechstunde systematisch umsetzen

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Margarita Moerth 25.03.201411:44 Uhr

Rauch Dich schlank?

Die einseitige Betrachtungsweise "hier Übergewicht, dort Rauchen oder Nichtrauchen", greift mehr als zu kurz, sie greift daneben.
Ich bin alles andere als eine militante Nichtraucherin, doch als Heilpraktikerin mit den viefältigen Gesundheitsrisiken des Rauchens (übrigens aktiv und passiv) wohlvertraut.

Schlechte Durchblutung und damit Sauerstoffversorgung, Lungenkrebs, Blasenkrebs, 65 Prozent aller Mundbodenkrebs-Fälle, COPD ... noch mehr Beispiele für die Schädlichkeit des Rauchens gefällig?

Wenn ich es also nicht gerade mit einem schwer Übergewichtigen mit Komorbiditäten wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen etc. zu tun habe, der ohne seine "kleine Zigarette" von seiner Fettlast nicht runterkommt, gibt es für mich keine Frage, nur: Weg mit dem Glimmstengel!

Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„Rettungskiste“ für die Praxis

Chronische Schmerzen: 5 Tipps fürs Patientengespräch

Spurenelemente

Zink und Testosteron: Wann ist eine Substitution sinnvoll?

Lesetipps
5 verschiedene ältere Menschen.

© [M] l.o. © kegfire / stock.adobe.com | l.u. © alexandre zveiger / stock.adobe.com | © m.o. © ramvseb / stock.adobe.com | m.u. © Anton / stock.adobe.com | r. © Africa Studio / stock.adobe.com

5 Beispiele aus der Praxis

Vorhofflimmern: Bei wem muss vor einer Operation die Antikoagulation pausiert werden?