Direkt zum Inhaltsbereich

Kommentar zur dualen Plättchenhemmung

Einheitsregel gibt es nicht

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:

Soll die duale Plättchenhemmung nach Implantation eines Drug-eluting Stents auf sechs Monate beschränkt oder auf 30 Monate ausgedehnt werden? Die Antwort lautet: Ja. Das mag paradox klingen, trifft aber den Punkt.

Denn beide Optionen lassen sich inzwischen mit wissenschaftlichen Daten gut begründen. Es kommt nur darauf an, richtig zu entscheiden, welche Behandlungsdauer für welchen Patienten jeweils die angemessene ist. Und das ist schwierig genug.

Wer sich aus Gründen der Sicherheit für die kürzere Behandlung entscheidet, liegt nicht falsch. Das verdeutlichte Professor Gilles Montalescot als offizieller Kommentator bei seiner Würdigung der neuen Studiendaten.

Der Pariser Kardiologe präsentierte eine aktualisierte Metaanalyse von Daten aus sieben Studien (einschließlich ISAR-SAFE und ITALICS), in denen eine drei- oder sechsmonatige Behandlungsdauer mit einer 12-monatigen oder längeren Behandlung verglichen worden war.

Jede dieser Studien war zu klein, um daraus definitive Schlussfolgerungen ziehen zu können. In der Summe kommen sie aber auf die stattliche Zahl von 15.870 Teilnehmern.

Auf dieser Basis lässt sich mit einiger Sicherheit konstatieren, dass die kürzere Behandlung mit einer signifikanten Reduktion des Blutungsrisikos assoziiert ist, ohne dass eine Zunahme von Herzinfarkten in Kauf zu nehmen ist.

Individuelle Entscheidung nötig

Vor allem in Europa geht der Weg eher in Richtung Verkürzung der Behandlungsdauer.

Durch DAPT ist jetzt aber deutlich geworden, dass auch die Verlängerung der Behandlung Vorteile haben kann.

Wer als Arzt die Notwendigkeit sieht, einen Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risiko mit einer längeren dualen Plättchenhemmung besser vor ischämischen Ereignissen (nicht nur Stentthrombosen) schützen zu müssen, darf sich nun auf DAPT berufen.

Spätestens mit dieser Studie ist klar geworden, dass auf eine allgemeingültige Einheitsregel für die Dauer der dualen Plättchenhemmung nicht zu hoffen ist.

Die Entscheidung darüber sollte individuell in Abhängigkeit vom Ischämie- und Blutungsrisiko des einzelnen Patienten getroffen werden.

DAPT hat die Therapie nach Stent-Implantation nicht einfacher gemacht. Im Gegenteil.

Lesen Sie dazu auch: KHK: Das Dilemma der dualen Plättchenhemmung

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

DEGAM-Kongress

Wie viele KHK-Patienten rauchen?

Das könnte Sie auch interessieren
Logo Digiteneers - Vertidisan

© Digitineers

Digitineers

Bei Schwindel – Vertidisan®: Die Therapie-App

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Doctolib

Doctolib

Mehr Service: KI-Assistenz rund um die Privatbehandlung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Lesetipps
Sklerenikterus bei einem älteren Patienten

© Dr. P. Marazzi / Science Photo Library

Meist Adenokarzinome

Tipps zur Früherkennung: Warnzeichen für Pankreaskrebs erkennen

Symbolbild eines Darms mit einer Lupe

© kirania / Generated with AI / Stock.adobe.com

Wandel der postoperativen Therapie

Morbus Crohn: Biologika senken das Rezidivrisiko nach Darmresektion

Sicht eines Patienten mit AMD: Das zentrale Sehen ist stark eingeschränkt durch einen dunklen Fleck.

© Tunatura - stock.adobe.com

AMD-Prävention

Altersabhängige Makuladegeneration: Leitlinie gibt Empfehlungen zum Screening