Ärzte Zeitung, 12.02.2015

Herzinfarkt

Troponin-Schwelle für Frauen zu hoch?

Frauen sind in der Diagnostik akuter Koronarsyndrome das schwache Geschlecht. Doch wie lassen sich die Nachteile beheben? Laut britischen Forschern bedarf es möglicherweise geschlechtsspezifischer Grenzwerte für Troponin I.

Von Robert Bublak

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Troponin-Test zur Diagnose eines Myokardinfarkts: Nach Meinung der Studienautoren führen Messungen mit einheitlichem Troponin-Schwellenwert zu einer unverhältnismäßigen Rate an Unterdiagnosen bei Frauen.

© Klaus Rose

EDINBURGH. In ihre Studie am Royal Infirmary in Edinburgh haben Anoop Shah und Kollegen 1126 konsekutive Patienten mit akutem Koronarsyndrom einbezogen. 46 Prozent der Probanden waren Frauen (BMJ 2015; 350: g7873).

Bei der Aufnahme ins Krankenhaus und sechs sowie zwölf Stunden später wurden die Troponin-Werte bestimmt. Neben einem gängigen sensitiven Troponin-I-Test wurde dabei auch ein hochsensitives Verfahren verwendet, von dessen Ergebnissen die Kliniker allerdings nichts erfuhren.

In die klinischen Entscheidungen floss allein die konventionell bestimmte Troponin-I-Konzentration ein. Hier lag der Schwellenwert für beide Geschlechter bei 50 ng/l.

Plötzlich viel mehr Diagnosen

Zwei Kardiologen beurteilten hernach die Diagnosen neu, diesmal aber auf der Basis der Ergebnisse, die mit dem hochsensitiven Verfahren zur Troponin-I-Messung erzielt worden waren.

Dabei galten Schwellenwerte für 34 ng/l für Männer und 16 ng/l für Frauen. Nun wurde verglichen, wie sich die Rate an Herzinfarkt-Diagnosen auf dieser Basis veränderte. Für die Männer änderte sich kaum etwas, die Rate stieg lediglich von 19 auf 21 Prozent.

Bei den Frauen hingegen verdoppelte sich die Rate an Myokardinfarkt-Diagnosen, sie erhöhte sich von 11 auf 22 Prozent.

Die Überprüfung ergab, dass sich Patienten, bei denen sowohl der konventionelle wie der hochsensitive Test eine Infarktdiagnose nahelegte, klinisch und hinsichtlich der EKG-Veränderungen nicht von jenen unterschieden, denen allein das hochsensitive Verfahren einen Infarkt bescheinigte.

Hingegen differierten die Merkmale der beiden Gruppen von denjenigen der Studienteilnehmer mit doppelt negativem Testergebnis.

Geringere Sterberate

Die Nachbeobachtungszeit betrug zwölf Monate. Und auch hier zeigte sich, dass die niedrigere Troponin-I-Schwelle für Frauen ihre Berechtigung haben dürfte.

Denn nach einem Jahr hatten 25 Prozent der Frauen mit einem Troponin I zwischen 17 und 49 ng/l einen erneuten Infarkt erlitten oder waren gestorben. Für Frauen mit Werten ≥ 50 ng/l erreichte dieser Anteil 24 Prozent, bei Frauen mit Troponin-I-Werten ≤ 16 ng/l hingegen lag er bei 4 Prozent.

"Unsere Resultate auf der Basis des hochsensitiven Troponin-Tests deuten darauf hin, dass die gegenwärtig üblichen Messungen mit einem einheitlichen Schwellenwert zu einer unverhältnismäßigen Rate an Unterdiagnosen von Myokardinfarkten bei Frauen führen", schreiben Shah und Kollegen.

Dies trage zur Ungleichheit zwischen beiden Geschlechtern in der Infarkttherapie und hinsichtlich der Ergebnisse bei. Ob geschlechtsspezifische Diagnoseschwellen diese Situation verbessern, müsse dringend untersucht werden.

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