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Herzinfarkt

Neue Troponin-Tests punkten durch hohe Sicherheit

Bei Herzinfarkt-Verdacht kann mit hoch-sensitiven Troponin-Tests in nur einer Stunde die Diagnose mit großer Sicherheit gestellt werden. Das bestätigt eine große Studie.

Von Dirk Einecke Veröffentlicht:
Brustschmerzen: Frühe Diagnose und Therapie können Herzmuskelgewebe retten.

Brustschmerzen: Frühe Diagnose und Therapie können Herzmuskelgewebe retten.

© Africa Studio / stock.adobe.com

BARCELONA. Kommt ein Patient mit Brustschmerzen in die Notfall-Ambulanz, muss es schnell gehen: Betroffene, die tatsächlich einen Nicht-ST-Streckeninfarkt haben, müssen zügig identifiziert und behandelt werden ("time is muscle"). Beim Gros der Patienten besteht keine kardiale Ursache für die Schmerzen. Hier sollten alternative Ursachen für die Beschwerden möglichst früher entdeckt und behandelt werden, oder es ist eine frühe Entlassung zu erwägen.

Früher dauerte diese "Triage" drei bis sechs Stunden. Vor gut zwei Jahren berichteten Hamburger Kardiologen um Professor Stefan Blankenberg über die Ergebnisse der BACC-Studie. Danach kann die Zeit auf eine Stunde verkürzt werden, wenn hochsensitive Troponin-Assays verwendet werden. Diese haben sich mittlerweile durchgesetzt: Auch die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) empfiehlt in ihren Leitlinien den 1-StundenAlgorithmus zum Ausschluss eines NSTEMI (Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt). Es gibt jedoch Bedenken, dass dieser Algorithmus bei Patienten, die sehr früh nach Symptombeginn in der Notaufnahme erscheinen, unsicher sein könnte.

Beim ESC-Kongress in Barcelona hat nun eine internationale Autorengruppe unter Vorsitz von Dr. Raphael Twerenbold von der Universitätsklinik Basel berichtet, dass der 1-Stunden-Algorithmus tatsächlich sehr sicher und effektiv ist – auch bei den "frühen" Patienten. Die Autoren hatten zwecks Algorithmus-Validierung die Patientendaten der beiden prospektiven Studien APACE und BACC ausgewertet.

In diesen Studien waren 4350 nicht selektierte Patienten untersucht worden, die mit Symptomen, die an einen Herzinfarkt denken lassen, in den Notfall-Ambulanzen in sechs europäischen Ländern vorstellig wurden. Bei 743 Patienten (17 Prozent) wurde letztlich die Diagnose NSTEMI bestätigt.

Bei allen Patienten wurden, in Kombination mit der klinischen Evaluation und einem EKG, sofort sowie nach einer Stunde mit hochsensitiven Essays die Troponin-Werte bestimmt (hs-cTnT Elecsys® und hs-cTnI Architect). Die Qualität der Ausschlussdiagnose nach einer Stunde wurde mit den negativen prädiktiven Werten beurteilt. Diese beliefen sich auf 99,8 Prozent (hs-cTnT) und 99,6 Prozent (hs-cTnI). Die Sensitivität lag bei 99,3 und 98,8 Prozent, berichtete Twerenbold.

Die positiven prädiktiven Werte betrugen 74,7 (hs-cTnT) und 64,2 Prozent (hs-cTnI), die Spezifitäten jeweils 94,5 und 90,4 Prozent. Die Effektivität der Rule-in oder Rule-out-Entscheidungen sei somit hoch gewesen, resümierte Twerenbold.

In einer separaten Analyse wurde die Leistungsstärke des 1-Stunden-Algorithmus bei den 1289 Patienten mit früher Präsentation nach Symptombeginn ("early presenters") untersucht. Auch in dieser bislang größten untersuchten Population entsprechender Patienten konnten Sicherheit und Effektivität bestätigt werden, betonte Twerenbold.

Viele Kliniken erwägen zurzeit die Umsetzung der ESC-Empfehlungen. Die Daten sind ein Grund mehr, bei NSTEMI-Verdacht auf den 1-Stunden-Algorithmus zu setzen.

Weitere Berichte vom ESC-Kongress

unter www.springermedizin.de

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