Ärzte Zeitung, 10.11.2004

Erfolg mit Polyester-Strumpf bei Herzinsuffizienz-Patienten

Neues Therapieverfahren bei dilatativer Kardiomyopathie geprüft / Elastisches Netz aus Polyester wirkt für das Herz entlastend

NEW ORLEANS (ob). US-Forscher hoffen, die fortschreitende Herzvergrößerung bei Herzinsuffizienz mit einem neuen Therapieansatz aufhalten zu können. Dabei wird dem dilatierten Herzen in einer Operation ein elastisches Netz wie ein Strumpf übergezogen. Nach ersten Studiendaten scheint dieses Verfahren von klinischem Nutzen zu sein.

Ein Netz erhöht bei Kardiomyopathie die Pumpkraft. Foto: Uni Düsseldorf

Mit fortschreitender Herzinsuffizienz verändert sich die Form des Herzens: Das ventrikuläre Lumen erweitert sich, die muskuläre Ventrikelwand wird schmaler. Folge dieser Dilatation - auch als kardiales Remodeling bezeichnet - ist eine progrediente Abnahme der kardialen Pumpleistung.

Ein neuer Therapieansatz soll diesen Prozeß zum Stoppen bringen. Zur mechanischen Unterstützung des Herzens wird dieses in einen Netzbeutel aus Polyester gehüllt, der der Dilatation Widerstand bietet und entlastend wirkt, aber elastisch genug ist, um nicht zu einer Konstriktion zu führen.

In einer randomisierten Studie ist dieses innovative Behandlungsverfahren bei 300 Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz - davon etwa 80 Prozent im NYHA-Stadium III - auf seine klinische Wirksamkeit überprüft worden.

Bei 193 von ihnen war aufgrund von Mitralklappen-Defekten infolge Herzvergrößerung eine Operation erforderlich, bei der jeder zweite Patient den das Herz umhüllenden Netzstrumpf erhielt. Bei den übrigen 107 Patienten ist entweder die medikamentöse Behandlung fortgesetzt oder zusätzlich in einer eigenen Operation die Netzhülle um das Herz gelegt worden.

Tatsächlich wurde in der Gruppe der Patienten, deren Herz den Netzüberzug erhielt, während der im median 22monatigen Beobachtungsdauer häufiger eine klinische Besserung beobachtet als in der Kontrollgruppe. Dies berichtete Studienleiter Dr. Douglas Mann aus Houston im US-Bundesstaat Texas bei der 77. Jahrestagung der American Heart Association in New Orleans.

Auf die Mortalität und die Häufigkeit von Krankenhauseinweisungen hatte diese Behandlung zwar keinen Einfluß. Deutlich niedriger war jedoch die Zahl der vorgenommenen Herztransplantationen oder notwendigen Implantationen von linksventrikulären Unterstützungssystemen. Die linksventrikulären Volumina verringerten sich signifikant. Und auch die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich deutlicher als in der Kontrollgruppe.

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