Ärzte Zeitung, 10.11.2005

Nitrat kann kardiogene Streßfaktoren mindern

Zusatztherapie könnte bei Herzinsuffizienz sinnvoll sein

DESSAU (grue). Eine Langzeittherapie mit Nitraten verbessert anscheinend die Funktion des Herzmuskels. Sie kommt als Zusatztherapie bei chronischer Herzinsuffizienz in Frage, wie eine Pilotstudie von Professor Christian Holubarsch aus Bad Krozingen nahelegt.

Nitrate werden heute vorwiegend bei Patienten mit KHK und akutem Koronarsyndrom verwendet. Sie seien aber vor dem Siegeszug der ACE-Hemmer auch eine Option bei chronischer Herzinsuffizienz gewesen, sagte Holubarsch bei einer Veranstaltung des Unternehmens Alpharma-Isis in Dessau.

Als Ergänzung zur heutigen Standardtherapie können sie die Prognose dieser Patienten weiter verbessern, wie die Ergebnisse der A-HEFT-Studie belegt haben: Darin wurden Afro-Amerikaner, die leitlinienkonform wegen chronischer Herzinsuffizienz behandelt wurden, zusätzlich mit Isosorbiddinitrat und Hydralazin therapiert. Sie hatten damit einen klaren Überlebensvorteil. Unbeantwortet blieb dabei die Frage, ob auch Weiße von dieser Therapie profitieren und wie groß der alleinige Nitrateffekt ist.

Deshalb startete Holubarsch eine Pilotstudie bei sechs Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. Sie erhielten zusätzlich zur medikamentösen Standardtherapie täglich 120 mg retardiertes Isosorbiddinitrat oder 80 mg Pentaerythrityl-Tetranitrat (PETN, Pentalong®) für mindestens drei Monate. Z

ur Beurteilung des Effektes wählte der Kardiologe den Surrogatparameter NT-pro-BNP, ein im Blut einfach zu bestimmendes Spaltprodukt des Brain-derived Natriuretic Peptide (BNP). Am Verlauf der NT-pro-BNP-Werte läßt sich nach Angaben des Kardiologen zuverlässig der Funktionszustand des Herzmuskels ablesen, da das Peptid empfindlich auf kardiogene Streßfaktoren reagiert. "Bei allen sechs Patienten nahm der NT-pro-BNP-Wert ab, bei manchen um mehr als 50 Prozent", sagte Holubarsch.

Er interpretiert dies so, daß die Langzeittherapie mit Nitraten wie PETN, das keine Toleranz auslöst, die Herzfunktion stabilisiert. Dies könne vermutlich die Prognose von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz verbessern, so Holubarsch. Dies sollte nun in einer Placebo-kontrollierten Studie untersucht werden, empfahl er.

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