Forschung und Praxis, 22.05.2006

Betablocker bei Herzinsuffizienz bitte sofort nach der Klinik!

Müssen Kollegen noch davon überzeugt werden, daß Betablocker bei Herzinsuffizienz-Patienten meistens unverzichtbar sind? Für alle, die noch einen Anstoß brauchen, haben amerikanische Forscher in Atlanta neue Daten präsentiert. Wenn daraus überall die richtige Konsequenz gezogen wird, können nach Ansicht von Prof. Gregg C. Fonarow von der Universität in Los Angeles abertausende von Menschen zusätzlich gerettet werden.

Und die richtige Konsequenz wäre, daß Patienten, die wegen einer Herzinsuffizienz aufgrund einer linksventrikulären Dysfunktion in die Klinik gebracht worden sind, schon bei ihrer Entlassung standardmäßig einen Betablocker bekommen.

Die Erkenntnis, die zu der Forderung geführt hat, resultiert aus ersten Ergebnissen von OPTIMIZE-HF, einem vor drei Jahren aus der Taufe gehobenen Programm, das die Grundlagen für einer bessere Behandlung von Patienten legen soll, die wegen einer Herzinsuffizienz in die Klinik müssen.

Es handelt sich um ein Register, in dem Daten von Patienten 60 bis 90 Tage nach der Entlassung aus der Klinik gesammelt werden. Solche Untersuchungen haben selbstverständlich nicht das Gewicht großer prospektiver klinischer Studien, aber sie liefern wichtige Hinweise.

Mit Betablocker um ein Drittel geringere Re-Hospitalisationsrate

Die in Atlanta vorgestellte Analyse beschränkt sich auf den Betablocker Carvedilol. Bei 2373 von 2720 Patienten mit linksventrikulärer Dysfunktion war ein Betablocker indiziert, das sind immerhin 87 Prozent. Aber nur 1146 bekamen einen Betablocker, eben das Carvedilol, als sie die Klinik verließen. Die Patienten waren im Mittel knapp 70 Jahre alt. Knapp 95 Prozent blieben auch später bei dem Mittel.

Beim Vergleich der Daten stellten die Wissenschaftler fest, daß in der Betablocker-Gruppe nur etwa halb so viele Patienten gestorben waren wie in der Gruppe ohne Betablocker. Die Gesamtsterblichkeit lag in der Carvedilol-Gruppe bei 5,6 Prozent, in der anderen Gruppe bei 11,1 Prozent. Ein Unterschied, der statistisch signifikant ist (p = 0,006).

Auch die Re-Hospitalisationsrate war bei den Patienten mit Betablocker signifikant geringer, um knapp ein Drittel.

Was beim kombinierten Endpunkt von Re-Hospitalisierung plus Gesamtsterblichkeit auch einen Vorteil zugunsten der Betablocker-Gruppe ergab: 32,5 Prozent Ereignisse vs. 42 Prozent (p = 0,0008).

Was macht der Unterschied in der Gesamtsterblichkeit in absoluten Zahlen aus? "Für acht von 100 Patienten", sagt Fonarow, "war die Betablokker-Strategie lebensrettend". (HR)

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