Ärzte Zeitung, 18.05.2006

Dick zu sein nützt Herzinsuffizienten

Übergewichtige alte Kranke haben offenbar bessere Prognose / Registerdaten analysiert

LUDWIGSHAFEN (Rö). Übergewicht muß nicht immer ein Gesundheitsrisiko bedeuten. Herzinsuffizienz-Patienten über 65 Jahre mit Übergewicht haben offenbar eine bessere Prognose als alte Patienten mit Herzinsuffizienz, die Normalgewicht haben.

Das Phänomen ist bereits bei Tumor- und Aids-Patienten bekannt: Haben solche Patienten genug Fettreserven, stehen sie Belastungen, die von Krankheitsschüben oder einer Chemotherapie verursacht werden, besser durch als normal- und niedriggewichtige Menschen.

Möglicherweise ist das auch der Grund für die gute Prognose von übergewichtigen Patienten mit Herzinsuffizienz. Auf einen solchen Vorteil deuten Daten des HELUMA (Heidelberg, Ludwigshafen, Mannheim)-Registers, die jetzt beim Kongreß für Versorgungsforschung in Ludwigshafen vorgestellt wurden.

Eine Arbeitsgruppe um Professor Jochen Senges vom Klinikum Ludwigshafen hat die Daten von 2661 Patienten aus dem Register ausgewertet. Von den über 65jährigen Herzinsuffizienz-Patienten hatten die beste Prognose die mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 35 kg/m2. Bei ihnen betrug die Einjahressterberate vier Prozent und die Dreijahressterberate 16 Prozent.

Bei den Normalgewichtigen mit einem BMI zwischen 20 und 25 Kg/m2 lauteten die Vergleichszahlen: 23 Prozent Sterberate in einem Jahr, 46 Prozent in drei Jahren. Bei den Untergewichtigen waren die Sterberaten etwas niedriger. Auch einen Vorteil im Vergleich zu Normalgewichtigen hatten Patienten mit einem BMI zwischen 25 und 35 kg/m2. Von ihnen starben in einem Jahr 14 und in drei Jahren 35 Prozent.

Bei den Herzinsuffizienz-Patienten unter 65 Jahren gab es kaum Unterschiede in den Sterberaten zwischen Normalgewichtigen und Übergewichtigen. Und die höchste Sterberate hatten in dieser Altergruppe die Patienten mit Untergewicht.

Allerdings läßt sich nicht ausschließen, daß die Patienten der einzelnen Gruppen verschieden schwer erkrankt waren, da nicht nach NYHA-Klassen unterschieden wurde.

Diese Auswertung ist jedoch nicht der erste Hinweis auf eine Vorteil von Übergewicht bei Herzinsuffizienz: Auch in einer US-Studie mit über 200 Patienten wurde festgestellt, daß dicke Herzinsuffizienz-Patienten länger und besser leben als dünne.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »