Ärzte Zeitung, 27.11.2006

Neuer Schrittmacher ordnet die Herz-Bewegung

Mit kardialer Resynchronisations-Therapie sinkt die Sterberate bei Herzinsuffizienz im Vergleich zur Arzneibehandlung

HAMBURG (grue). Etwa jeder zehnte Patient mit schwerer Herzinsuffizienz hat zusätzlich eine Störung im kardialen Reizleitungssystem. Ein Resynchronisations-Schrittmacher koordiniert das Zusammenspiel der Herzkammern und verbessert die Pumpfunktion.

Die kardiale Resynchronisations-Therapie in Verbindung mit einem Defibrillator schützt vor dem plötzlichen Herztod. Foto: www.aktion-meditech.de

Die kardiale Resynchronisations-Therapie (CRT) wird derzeit von etwa 120 Krankenhäusern angeboten. Die Koordination der Herzkammerbewegungen übernimmt ein spezieller Schrittmacher, der elektrische Impulse aussendet. Das unter die Haut implantierte Gerät hat die Größe einer Streichholzschachtel und ist über feine Elektroden mit beiden Herzkammern und dem rechten Vorhof verbunden.

"Die CRT stärkt die Kontraktilität der Kammern, verbessert die Dichtigkeit der Herzklappen und mindert die Beschwerden bei Patienten mit Herzinsuffizienz", sagte Dr. Anja Dorszewski vom Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen auf einer Veranstaltung der "Aktion Meditech". Mit dem Aktions-Forum wollen Industrieunternehmen, Patientenorganisationen, Ärzte und Verbände auf den Stellenwert der Medizintechnologie im Gesundheitssektor hinweisen.

Die CRT sei ein gutes Beispiel für den hohen Nutzen innovativer Technologien, sagte Dorszewski. In einer kontrollierten Studie konnte mit der CRT im Vergleich zur medikamentösen Therapie die Sterberate im ersten Jahr von 19 auf 15 Prozent verringert werden. Noch größeren Nutzen hätten Patienten, die wegen Kammertachykardien zusätzlich einen Defibrillator tragen. Mit der CRT-Defibrillator-Therapie war die Mortalität im ersten Jahr um 36 Prozent geringer als in der medikamentös behandelten Kontrollgruppe.

"Ein zusätzlicher Defibrillator schützt vor dem plötzlichen Herztod", sagte die Kardiologin. "Die Investition in die Geräte zahle sich auch deshalb aus, weil die Patienten seltener wegen Herzinsuffizienz ins Krankenhaus müssen". Außerdem steige die Lebensqualität, denn mit der CRT bessere sich die Herzinsuffizienz im Schnitt um eine NYHA-Klasse. Künftig sollte deshalb genau geprüft werden, für welche Patienten eine CRT in Frage kommt.

Denn womöglich ist es sinnvoll, das Verfahren schon früh anzuwenden. Bisher ist die CRT für Patienten mit chronisch therapierefraktärer Herzinsuffizienz ab NYHA-Klasse III vorgesehen. Weitere Kriterien sind etwa: Die Auswurffraktion liegt unter 35 Prozent und im EKG zeigt sich eine ventrikuläre Dyssynchronie.

STICHWORT

Dyssynchronie

Bei Patienten mit ventrikulärer Dyssynchronie kontrahieren sich die Herzkammern zeitversetzt. Das erzeugt eine Störung der Wandbewegungen der Ventrikel. Klinische Folgen der ungeordneten Kontraktion sind eine eingeschränkte Auswurfleistung des Herzens, eine verkürzte Füllungsphase in der Diastole, eine ineffiziente Systole sowie ausgeprägte Insuffizienzen von Mitral- und Trikuspidalklappe. Ein Maß für den Schweregrad der Dyssynchronie ist die Breite des QRS-Komplexes: Je breiter der QRS-Komplex, desto höher das Sterberisiko der Patienten. (eb)

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