Ärzte Zeitung, 18.04.2007

Bei Frauen ist die Diastole kritisch, bei Männern die Systole

Einige Pathomechanismen der Herzinsuffizienz sind bei Frauen anders als bei Männern - und damit auch Therapie und Prognose

MANNHEIM (grue). Bei der Herzinsuffizienz gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Bei Frauen ist oft bei noch erhaltener Pumpfunktion die diastolische Dehnbarkeit gestört. Bei Männern dagegen wird die Herzleistung eher durch eine systolische Dysfunktion begrenzt.

Bei herzkranken Frauen wird der Kollege Besonderheiten beachten. Foto: Klaro

Sieben von zehn Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz sind weiblich, wie Professor Vera Regitz-Zagrosek beim Kardiologie-Kongress in Mannheim berichtet hat. Diese Form der Herzinsuffizienz wurde lange Zeit kaum erforscht, und es gab keine einheitlichen Therapie-Empfehlungen.

Das könne einer der Gründe sein, warum Frauen mit Kardiomyopathien eine schlechtere Prognose haben als Männer. Sie werden auch seltener echokardiografisch untersucht, bekommen seltener ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptorblocker und eine schlechtere Antikoagulation, sagte Regitz-Zagrosek. Die Forscherin lehrt an der Charité in Berlin Frauenspezifische Gesundheitsforschung.

Dabei haben Frauen eigentlich ein robusteres Herz als Männer: Es schlägt bei ähnlich schlechter linksventrikulärer Auswurfleistung häufiger im Sinusrhythmus und kann myokardiale Energiedefizite besser kompensieren. "Dennoch sind viele grundlegende Pathomechanismen bei Männern wie Frauen gleich. Auch Prognoseparameter wie Fraktion und Ventrikelgröße sind ähnlich aussagekräftig", sagte Regitz-Zagrosek. "Bei der Therapie wird deshalb nicht zwischen den Geschlechtern unterschieden." Allerdings sollten pharmokokinetische Besonderheiten beachtet werden, etwa dass Frauen empfindlicher auf Digitalis-Präparate reagieren.

Dass herzkranke Frauen jedoch trotz angestrebter Gleichbehandlung eine schlechtere Prognose haben, belegen Daten aus dem Cypher-Register. Darin wird die Behandlung mit beschichteten Koronarstents dokumentiert. "Das weibliche Geschlecht ist in diesem Register ein unabhängiger Prädiktor für erhöhte Mortalität nach Stentimplantation", sagte Professor Annette Geibel von der Universität Freiburg.

"Frauen mit Stents erhalten zum Beispiel weniger ASS und Clopidogrel", so Geibel. "Es gibt aber noch andere Gründe für die erhöhte Mortalität." So nehmen Frauen Herzinfarkt-Symptome später wahr als Männer und kommen oft erst mit entsprechender Verzögerung in eine Klinik.

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