Direkt zum Inhaltsbereich

Was hilft bei Vorhofflimmern und Herzschwäche am besten?

Veröffentlicht:
Vorhofflimmern im EKG. Typisch für diese im klinischen Alltag häufigste Herzrhythmusstörung sind die unregelmäßig einfallenden QRS-Komplexe: absolute Arrhythmie.

Vorhofflimmern im EKG. Typisch für diese im klinischen Alltag häufigste Herzrhythmusstörung sind die unregelmäßig einfallenden QRS-Komplexe: absolute Arrhythmie.

© Foto: imago

ORLANDO (ob). Vorhofflimmern ist eine häufige Begleiterkrankung bei chronischer Herzinsuffizienz. In dieser speziellen Situation ist die einfachere Strategie der Frequenzkontrolle eine gleichwertige Alternative zu einer komplexeren Behandlung, bei der Rhythmuskontrolle angestrebt wird.

Für die medikamentöse Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern stehen grundsätzlich zwei Strategien zur Auswahl: Rhythmuskontrolle (Kardioversion und Aufrechterhaltung von Sinusrhythmus) oder Frequenzkontrolle (Begrenzung der Kammerfrequenz bei weiter bestehender Arrhythmie). Wider Erwarten ist in großen klinischen Studie (AFFIRM, RACE) die Überlegenheit der lange favorisierten Rhythmuskontrolle nicht bestätigt worden. Dementsprechend erfuhr die einfachere Strategie der Frequenzkontrolle eine Aufwertung, was in jüngster Zeit zu einem Wandel in der Therapie geführt hat.

Unklar blieb, ob diese Ergebnisse auch auf Patienten mit Vorhofflimmern auf dem Boden einer chronischen Herzinsuffizienz übertragbar sind. Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern treten häufig in Koexistenz auf. Die fortschreitende Herzinsuffizienz begünstigt die Entstehung von Vorhofflimmern, diese Arrhythmie wiederum verstärkt Symptome der Herzschwäche - ein Teufelskreis.

Die Ergebnisse der AF-CHF-Studie stärken den therapeutischen Stellenwert der Frequenzkontrolle nun auch bei Vorhofflimmern mit Herzinsuffizienz. Danach macht es bei dieser Konstellation prognostisch keinen Unterschied, wenn statt Rhythmuskontrolle der einfachere Weg der Frequenzkontrolle gewählt wird. In der Studie betrug die kardiovaskuläre Sterberate (primärer Endpunkt) nach dreijähriger Beobachtung 25,2 Prozent (Frequenzkontrolle) und 26,7 Prozent (Rhythmuskontrolle). Auch die Gesamtsterberate unterschied sich nicht signifikant, berichtete Dr. Denis Roy aus Montreal. Die Rate der Klinikeinweisungen war bei Rhythmuskontrolle signifikant höher (46 versus 39 Prozent), bedingt nicht zuletzt durch die häufigeren Kardioversionen (39 versus 8 Prozent).

An der AF-CHF-Studie haben 1376 Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz (Auswurffraktion unter 35 Prozent) und Vorhofflimmern teilgenommen. Mehr als zwei Drittel der Patienten hatten ein persisitierendes Vorhofflimmern.

Die AF-CHF-Studie, an der überwiegend Patienten mit symptomatisch eher geringer ausgeprägter Arrhythmie beteiligt waren, ist aber nicht repräsentativ für das gesamte Spektrum der Patienten mit Vorhofflimmern und kardialer Pumpschwäche. Ihre Ergebnisse signalisieren deshalb auch nicht das generelle Ende für die Rhythmuskontrolle bei Herzinsuffizienz. Speziell bei Patienten mit instabiler Hämodynamik und ausgeprägten Arrhythmie-Beschwerden wird diese Strategie sicher auch weiterhin als Option zur Symptomminderung genutzt werden.

Lesen Sie dazu auch: Erste Erfolge mit Impfstoff gegen Bluthochdruck Statintherapie verfehlt Ziel bei Herzinsuffizienz Kongress-News

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026

Sonderbericht

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

Logo Cardisio

© oxyven

Oxyven

Intravenöse Sauerstofftherapie mit Applimed-O2 1000

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kongress in Chicago

Herzkongress AHA 2026: Diese Studien könnten die Praxis verändern

Vergleich der Kreise

Wo MRSA-Infektionen besonders häufig sind

Klassifikation von Herztönen nach Auskultation

Zusammenarbeit Mensch und KI: Das Vertrauen kann täuschen

Lesetipps
Richterhammer und Klemmbrett

© Andrii / Stock.adobe.com

Interview

EU AI Act: Was die neuen Transparenzpflichten für Praxen bedeuten

Eine Frau leidet unter Schwindel, hält sich mit der einen Hand an der Tür fest und ihre andere Hand liegt auf der Stirn.

© Tunatura/stock.adobe.com

Neurologin gibt Tipps

So gehen Sie bei Schwindel richtig vor