Direkt zum Inhaltsbereich

Neue Studien zur Herzinsuffizienz könnten bald in die Leitlinien eingehen

Zwei Medikamente, jeweils zusätzlich zur Standardtherapie, haben die Raten von Tod und Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz vermindert.

Veröffentlicht:

BERLIN (gvg). Lange hatte sich wenig getan bei der Herzinsuffizienz. Doch im Jahr 2010 kam eine Änderung zur anderen. Zumindest zwei neue Studien werden demnächst die Leitlinien verändern, prognostizierte Professor Carsten Tschöpe von der Charité Berlin beim Praxis Update 2011.

Für therapeutisch wegweisend hält Tschöpe vor allem die Ergebnisse der EMPHASIS-HF-Studie. Darin nahmen Patienten teil mit schwerem systolischem Herzversagen (Auswurffraktion war 30 Prozent oder kleiner), aber nur mäßig ausgeprägten Symptomen (NYHA-Klasse II). Zusätzlich zur Standardtherapie wurden sie mit dem Aldosteronantagonisten Eplerenon (25 mg bis 50 mg) oder Placebo behandelt.

"Bisher waren Aldosteronantagonisten den Patienten der NYHA-Klassen III und IV vorbehalten", betonte Tschöpe. Die EMPHASIS-HF-Studie habe nun bei insgesamt 2737 Patienten einen klaren Nutzen für den Aldosteronblocker selbst dann ergeben, wenn die Symptome nicht so ausgeprägt waren und bereits eine leitliniengerechte Therapie erfolgte.

Der Unterschied zu Placebo war eindrucksvoll. Beim primären Kompositendpunkt (kardiovaskulärer Tod und Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz) war Eplerenon nach im Mittel 21 Monaten 37 Prozent unter Placebo. Es errechne sich eine Number Needed to Treat von 19, berichtete Tschöpe. Auch bei der Gesamtsterberate, einem sekundären Endpunkt, gab es einen zwar geringen, aber statistisch signifikanten Vorteil für die Patienten im Verumarm.

Noch einer zweiten Großstudie zur Herzinsuffizienz traut Tschöpe das Potenzial zur Veränderung der Therapieleitlinien zu: Es ist die SHIFT-Studie. An dieser Untersuchung nahmen 6558 Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz teil (EF war 35 Prozent oder kleiner, Hospitalisierung in den letzten zwölf Monaten).

Jene Patienten, die mit leitliniengerechter Betablockade weiterhin eine Herzfrequenz von mindestens 70 Schlägen pro Minute aufwiesen, wurden zusätzlich zur Standardtherapie mit dem If-Kanal-Blocker Ivabradin behandelt. Die Zieldosis lag bei zweimal 7,5 mg täglich.

Der primäre Kompositendpunkt (kardiovaskulärer Tod und Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz) trat innerhalb von knapp 23 Monaten bei 24 Prozent der Patienten in der Ivabradin-Gruppe ein. Bei den Patienten in der Placebogruppe waren es 29 Prozent.

"Getrieben wurde dieser Unterschied vor allem durch die geringere Hospitalisierungsrate", erläuterte Tschöpe. Profitiert haben nach seiner Aussage sowohl Patienten mit niedriger als auch Patienten mit hoher Betablockerdosis.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Komplikationsmanagement

Typ-2-Diabetes macht besonderen Schutz für Niere und Herz erforderlich

Herzinsuffizienz

HFrEF-Therapie: Was bringen Digitoxin und Vericiguat?

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Anpassungsvorgänge brauchen Zeit

Höhenkrankheit bei Kindern und Jugendlichen: Das gilt es zu beachten

Erfolgreiche Überbrückung bis zur Transplantation

Schwer an ARDS Erkrankter überlebt Entfernung beider Lungenflügel

Lesetipps
Ein Mann liegt im Bett und schaut auf sein Handy.

© Andrii Lysenko / Stock.adobe.com

Insomnie

Wie sich schlechter Schlaf auf Schmerzen auswirkt

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram